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Ein Alptraum zählt nicht vor Gericht

(Bitte unbedingt dazu lesen: Matthäus 27, 11-26)

 

Gestern Nacht wurde Jesus von Nazareth verhaftet. Heute in aller Frühe wurde er meinem Mann, dem obersten Statthalter, vorgeführt. Durch einen Vorhang linse ich in den Gerichtssaal. Die halbe Stadt ist hier. Der Gefangene steht gefesselt vor dem Richterstuhl. Mein Mann versucht, ihn zu einer Stellungnahme gegen die Anklage zu bewegen, damit er ein gerechtes Urteil fällen kann. Jesus schweigt. Schließlich bietet Pilatus dem Volk die Chance, die Sache glimpflich zu Ende zu bringen: "Wen soll ich zur Feier des Tages freilassen? Barrabas oder Jesus?" Der Gefangene ist unschuldig. Die einfachen Leute verehren ihn. Offenbar glaubt Pilatus, dass sie sich natürlich für Jesus entscheiden. Aber ich sehe, wie sich Priester, die ihn hassen, durch die Reihen zwängen. Hier tuscheln, dort drohen. Ich schicke eine Nachricht zu meinem Mann: "Lass die Finger von diesem Gerechten! Seinetwegen hatte ich letzte Nacht einen Alptraum!" Mir ist egal, wie er es findet, dass ich mich in seine Staatsgeschäfte einmische. Ich muss versuchen, Jesus zu retten.

Pilatus fragt noch einmal: "Wen soll ich freilassen?" "Barrabas", schreien die Leute. "Und was soll ich mit Jesus machen?" "Kreuzigen!" "Aber was hat er denn verbrochen?"

Doch sie hören gar nicht zu, sondern skandieren nur wieder ihr "kreuzigen, kreuzigen". Mein Mann nimmt einen Wasserkrug. Wäscht sich die Hände und sagt: "Ich habe keine Schuld am Tod dieses Mannes. Das müsst ihr verantworten!" Das Volk ist wie von Sinnen. "Wenn er undschuldig ist, komme sein Blut über uns und seine Kinder!", schreien sie. Da gibt Pilatus den alles entscheidenden Befehl: Barrabas freizulassen, Jesus auszupeitschen und zu kreuzigen. Weinend laufe ich weg.

 

aus: Facts-Kalender




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