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Die Fans sind ernüchtert

Johannes 6,60-69

 

In der Folge mancher Wundertaten wie spektakulärer Heilungen und überraschender "Volksspeisungen" wächst die Zahl der Bewunderer und Anhänger Jesu. Viele nennen sich stolz seine Jünger und identifizieren sich mit ihm. Doch dann wird eine öffentliche Predigt Jesu zum Skandal, an dem sich die Geister scheiden. Jesus redet von sich und seiner Sendung: Ich bin das Brot des Lebens... wer mein Fleisch isst und trinkt mein Blut, der hat das ewige Leben (Verse 48.54ff). Natürlich können die Zuhörer die Anspielung auf die Heilsbedeuturig des späteren Todes Jesu und die daraus abgeleitete Praxis des christlichen Abendmahls noch gar nicht erahnen, geschweige denn verstehen. Dass sie darum von diesen Worten schockiert sind und sich enttäuscht von Jesus abwenden, verwundert darum nicht.

Allerdings macht die abrupte Abkehr der ernüchterten Fans von ihrem Idol Jesus nachdenklich: Warum kommt keiner von ihnen zu Jesus und befragt ihn nach dem Sinn seiner Worte? Wie kann Begeisterung so schnell in Ablehnung umschlagen? Erstaunlich, wie Jesus reagiert: Als am Ende nur noch der Jüngerkreis der Zwölf übrig bleibt, schwört er sie nicht auf unbedingte Treue ein und gibt auch keine Durchhalteparolen aus. Stattdessen fragt Jesus sie ganz einfach: Wollt ihr auch weggehen? (Vers 67).

Kein flammender Appell, keine Einschwörungsversuche, nur eine schlichte Frage. Aber eben darin zeigt sich die ganze Souveränität Jesu. Er hat es nicht nötig, mit Druck und Drohung zu arbeiten, um Menschen bei der Stange zu halten. Er kann freigeben, weil er möchte, dass Menschen ihm aus freien Stücken nachfolgen. Jesus wirbt um jeden - aber er will ein freiwilliges und kein erzwungenes Ja zu seiner Person. Mit seiner entwaffnend ehrlichen Antwort (Verse 68f) macht Petrus deutlich, dass es für ihn und die andern Elf gar keine Alternative mehr zum Weg der Nachfolge hinter Jesus her gibt. Sie haben sich mit ihrer ganzen Existenz ohne Wenn und Aber auf das Leben mit Jesus eingelassen und die Brücken zu ihrer alten Existenz abgebrochen. Und sie haben erkannt, dass Jesu Worte wahr und verlässlich sind.

 

Klaus Jürgen Diehl

 




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