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Der Sündenfall und seine Folgen 1. Mose 3
Dieses Kapitel ist der klassische Text für das biblische Verständnis von Sünde geworden. Erstaunlich für uns. Sünde hat zunächst einmal gar nichts mit Unmoral zu tun. Die Sünde, zu der Adam und Eva sich verleiten Lassen, ist nichts Schmutziges, Verruchtes, sondern durchaus etwas verlockend Ästhetisches: Und das Weib sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte (Vers 6). Das Urmaterial der Sünde ist das Misstrauen Gott gegenüber. Die Schlange als Symbol für die Versuchung versteht es meisterhaft, dieses Misstrauen zu schüren. Sie unterstellt Gott, dass er um seine Allmacht besorgt ist und darum den Menschen alles Mögliche verboten habe. Aus dem großzügigen Schöpfer, der fast alles erlaubt (vgl. 1. Mose 2,16) wird ein engherziger Tyrann, der alles verbietet (Vers 1). Und die Schlange hat Erfolg. Evas Gegenwehr ist nur noch matt: Zwar verteidigt sie Gott - und doch verschärft auch sie sein Gebot. Von nicht anfassen hatte Gott nichts gesagt! Ist die Saat des Misstrauens erst einmal aufgegangen, dann kann man "schwerere Geschütze" auffahren: Wenn Adam und Eva sich über Gottes Gebot hinwegsetzen, werden sie selbst sein wie Gott. Eine faszinierende Perspektive. Doch die Sache geht gründlich daneben. Gott spielt nicht mit. Auch nicht bei dem bis heute so beliebten Sündenbockspiel, mit dem die eigene Schuld gerne auf andere abgewälzt wird. Gott zieht alle drei zur Rechenschaft und bestraft sie für ihre jeweilige Schuld. Und die Folgen der Sünde? Die Beziehung zu Gott ist kaputt, aber auch die Beziehung zwischen Adam und Eva ist zerstört. Jetzt können sie sich nicht mehr offen begegnen: Sie schämen sich ihrer Nacktheit und versuchen, sich keine Blöße mehr zu geben. Und doch ist der Rauswurf aus dem Paradies nicht das Ende der Geschichte. Gott hält seinen Zorn nicht durch. Trotz des harten Urteils bleibt er den Menschen zugewandt und sorgt für sie, wie wir in Vers 21 sehen.
Klaus Jürgen Diehl |
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