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Die Spirale des Bösen:

Kains Brudermord

 

1. Mose 4, 1-16

 

 

 

Es ist schon erschreckend, wie schnell sich das Böse nach der Vertreibung aus dem Paradies ausbreitet. Kain wird zum Mörder seines Bruders - und das, obwohl Gott ihn vorher warnt (Verse 6f). Inzwischen hat das Böse schon eine solche Sogwirkung, dass es einer Verführung von außen (Schlange) nicht mehr bedarf und selbst der Warnruf Gottes überhört wird. Sogar nach begangener Tat dreht sich die Spirale des Bösen weiter: Als Gott den Brudermörder zur Rede stellt, lügt Kain ihm erst einmal frech ins Angesicht: Was weiß ich, wo sich mein Bruder rumtreibt? (Vers 9). Besonders erschreckend ist, dass die Geschichte des Brudermordes ihren Anfang am Altar nimmt, wo beide Gott ihre Opfer darbringen. Gott nimmt das Opfer Kains nicht an - warum wird nicht gesagt. Plötzlich steigen Neid und Missgunst in ihm hoch. Kain gönnt seinem Bruder den offensichtlichen Segen Gottes nicht. Er verschließt sich, als Gott ihm ins Gewissen redet. Er hat Gott längst aus seinem Leben verdrängt. Er ist nicht mehr fromm (Vers 7); d.h. er ist nicht mehr mit seinem Herzen ungeteilt bei Gott. So nimmt das Verhängnis seinen Lauf.

Und was sind die Folgen? Kain muss erfahren, was er bei seiner Tat nicht ins Kalkül gezogen hat. Er hatte die Leiche seines Bruders verscharrt - in der Hoffnung, es würde wohl bald Gras darüber wachsen. Doch das Blut des Ermordeten erhebt einen Klageschrei, der bis zu Gott dringt (Vers 10). Und nun ergeht Gottes harter Richterspruch über Kain. Künftig wird er ein heimatloses, unstetes, flüchtiges Leben führen müssen. Unter der Wucht dieses Fluchwortes bricht Kain zusammen.

Er erkennt, dass er schutzlos der Willkür anderer ausgeliefert sein wird. Plötzlich Geschichte eine unverhoffte Wendung: Das Fluchwort über den Brudermörder Kain bleibt nicht Gottes letztes Wort. Ganz am Ende steht die Zusage gnädiger Bewahrung (Vers 15). Damit weist die Kain-Geschichte schon hinüber ins Neue Testament. Aus dem Kainszeichen wird dann das Kreuzeszeichen als Zeichen der endgültigen Gnade Gottes.

 

Klaus Jürgen Diehl




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