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„Gott wohnt,

wo man ihn einlässt.“

 

 

 

 

 

Schon wieder ein Kirchenfest, das viele liebe Leute nur noch von Ferne kennen. Kein Vorwurf, nicht jeder ist Insider, da kann Information helfen. Mindestens für die kulturelle Bildung, doch viel interessanter wäre es, wenn jemand ein zukunftsorientierter Mensch würde, der Neues von Gott für sein Leben erwartet.

Advent kommt sprachlich von dem lateinischen „adventus“, was Ankunft bedeutet. Vor dem Weihnachtsfest, besser, vor dem Fest Christi Geburt, kommen zuerst die vier Advent-Sonntage ins Land. Ankunft-Sonntage also. Gott will bei uns ankommen mit seiner guten Nachricht. So haben es die Propheten Israels ausgerufen: Der Messias kommt, stellt euch ein auf seinen Advent. „Machet die Tore weit und die Türen hoch in der Welt, dass der König der Ehren einziehe.“ Immer wieder das Bild der Tore und Türen in der Bibel, wenn es um das Kommen Gottes zu uns geht.

So geht es in der Christenheit weiter. Gott ist in der Geburt seines Jesus in der Welt angekommen, doch leben wir immer noch im Advent. Gott ist immer neu in Bewegung auf uns zu. Er will bei uns ankommen. In den Gemeinden aller Kirchen wie auch ganz persönlich bei uns. In jedem Jahr kommen weltweit Millionen Menschen zum Glauben an Christus, die noch jungen, doch auch alt und grau gewordenen Männer und Frauen. Bei ihnen wird es auf besondere Weise ein 1. Advent.

Der absolute Feiertag ihres Lebens. Doch gibt es auch Erneuerungen des Glaubens. Eine Generalüberholung vielleicht.

Gott mag nicht ohne uns Gott sein. Er hat uns auf sich zu erschaffen. Es ist der Lebensentwurf Gottes für uns, dass er zu uns und wir zu ihm kommen. Darum sein Kommen in die Tiefen der Menschheit und unseres Lebens. Darum die Selbstvorstellung Gottes in dem Kind Jesus, das im Stall geboren wurde. Keine Romantik, alles andere, von Anfang an ganz unten und von Verfolgung und Tod bedroht. Das ist Gottes Liebe pur. Krippe und Kreuz gehören zusammen.

Ein seltsamer Gott? Reichlich unreligiös? Ja, das ist er, immer überraschend, stets anders als erwartet, nicht konform mit den religiösen Voraussetzungen und Erwartungen, die in der Menschheit und in uns leben. Gott sei Dank, dass Gott so ist. Das ist unsere Rettung. „Gott sei Dank gibt es nicht, was 60 bis 80 Prozent der Zeitgenossen sich unter Gott vorstellen“, schrieb der bekannte katholische Theologe Karl Rahner.

An den vier Adventsonntagen bereiten sich die Glaubenden auf das Fest der Ankunft Gottes durch Jesus vor. Das wird wie alle Jahre wieder ein schönes Fest. Wer wollte die Ankunft Gottes durch Jesus nicht feiern? Dieses Fest hat stets offene Türen, wird nicht von einer geschlossenen Gesellschaft gefeiert. Gehen sie doch mal wieder in einen Gottesdienst. Die Gottesdienste werden in der Tageszeitung angekündigt.

Unser Gott ist noch ständig unterwegs, er will bei uns einkehren. Jeden Tag und immer wieder. Christen glauben nicht an einen Gott, der wie ein verrostetes Denkmal im All herumsteht. Sie rechnen mit dem Unterwegs-Gott, dem Sucher-Gott, der bei uns ankommen will. Ob bei Christen oder Heiden, bei Religiösen oder Atheisten.

Als ich ein Glaubender wurde, war Gott bei mir angekommen. Dass er kam, war das Wunder, nicht dass ich ihn einließ, doch wie sollte ich diesen wunderbaren, den Einzigartigen vor der Tür stehen lassen können? Er überzeugte mich durch seine Liebe bis in die letzten Fasern meiner Seele. So vertraute ich ihm und er kehrte bei mir ein. Das war DER ADVENT meines kleinen Lebens. Seither weiß ich, dass er kein Rächergott ist, kein finsterer Gott, wohl der heilige Gott, doch auch in seiner Heiligkeit und Verborgenheit ist der DIE LIEBE. „Gott ist Liebe“, so steht im ersten Brief des Johannes. Er liebt nicht nur, sondern er ist LIEBE pur.

Darum wirbt er um uns, klopft bei uns an, möchte in das Haus unseres Lebens kommen. „Siehe ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, bei dem werde ich eingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir.“ Das ist eines der bekannten Bibelworte zum Advent. Mahlgemeinschaft ist im Orient Ausdruck engster Verbundenheit.

Gott wohnt, wo man ihn einlässt“ heißt eine jüdische Weisheit. Ein tiefes Wort, das Mut zum Glauben macht. Gott donnert nicht mit einem Gewehrkolben gegen die Tür, er tritt sie nicht ein, wie man es in Krimis sehen kann. Er legt auch keine Sprengladung vor die Tür und öffnet sie so mit Donner und Feuer. Gott steht bittend vor der Tür, er lässt sich ganz tief herab. Gott wird wie ein Bettler, so sehr liebt er uns. Gott als Bettler. Unglaublich und doch wahr. „Wir bitten an Christi Statt: Lasst euch versöhnen mit Gott.“ So schreibt der große Apostel Paulus von der Predigt und unseren Gesprächen über den Glauben.

Das ist der Gott der Christen, nein, der Gott aller Menschen. Schrecklich, wenn ein Mensch oder gleich eine ganze Gemeinde Gott vor der Tür stehen lässt. Er kann sich abwenden und wir stecken auf ewig allein in unserer Lebenskiste. Ich mag mir keinen Menschen vorstellen, der sich so verhält. Gott will in uns mit uns ein Fest feiern. Das Fest des Advent. Niemand soll „draußen vor der Tür“ bleiben.

Gott wohnt, wo man ihn einlässt.“

 

Johannes Hansen

 




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