Israels
dramatische
Befreiung
2. Mose 14
Mose hatte von Gott den Auftrag, sein Volk aus Ägypten zu führen. Sein Bruder Aaron sollte ihm bei den Verhandlungen mit Pharao zur Seite stehen. Aber es kam, wie es kommen musste. Aus einem friedlich verabredeten Auszug der Israeliten wird nichts. Wann hat je ein Tyrann freiwillig auf seine Macht über Menschen verzichtet? Als Reaktion auf Moses Begehren werden bei den Israeliten erst einmal die „Daumenschrauben“ fester angezogen. Sie müssen noch härter schuften. Erst als Gott mit dem Pharao eine andere Sprache spricht und ihn und das ägyptische Volk durch zahlreiche Seuchen und Naturkatastrophen unter Druck setzt, bricht der Bann. Der Pharao - es war wohl Ramses II. - gibt auf, und so können sich 600.000 Israeliten - Frauen und Kinder nicht mitgerechnet – auf den Weg in die Freiheit machen. Aber als Israel auf Geheiß Gottes nicht auf schnellstem Wege das Weite sucht, sondern zunächst auf ägyptischem Boden bleibt, wittern die Ägypter bei diesem seltsamen Fluchtweg plötzlich wieder Morgenluft. Pharao möchte das ganze Unternehmen wieder rückgängig machen und bietet dazu seine gesamte Streitmacht auf. Den Israeliten sinkt der Mut. Doch dann werden sie auf wunderbare Weise gerettet. Und dieses Wunder der Befreiung aus ägyptischer Sklaverei ist bis heute die Grundlage jüdischen Glaubens.
Die Erfahrung der Befreiung hat dabei für fromme Juden einen ähnlichen Stellenwert wie für die Christen das Kreuz Jesu. Beide, Juden wie Christen, rühmen Gott als Erretter und Befreier - nur dass die einen sich dabei auf das Schilfmeerwunder und die anderen auf das Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu beziehen. Über die Umstände dieses einzigartigen Schilfmeerwunders ist oft gerätselt worden, zumal der Bibeltext unterschiedliche Verstehensweisen nahe legt: Zieht Israel durch das Meer wie durch eine Gasse hindurch, wobei die Wasserfluten wie Mauern zur Rechten und Linken stehen? Oder wird das Wasser durch einen starken Wind zurückgedrängt – so wie bei Ebbe -, so dass die Israeliten trockenen Fußes hindurchziehen können, während die Ägypter von den zurückflutenden Wassermassen überrascht werden und ertrinken? Doch egal, wo und wie tief das Wasser auch war: Israel erlebte diesen Tag als das größte und beeindruckendste Wunder seiner Geschichte – bis heute!
Klaus Jürgen Diehl

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