Israels
Glaubensbekenntnis
5. Mose 6
Die Erfahrungen, die Israel mit seinem Gott seit der wunderbaren Befreiung aus dem Elend der Sklaverei gemacht hat, verdichten sich zu einem Glaubensbekenntnis, das durch die Jahrtausende hindurch das Leben jüdischer Menschen begleitet hat. Wir finden den ersten Teil dieses Glaubensbekenntnisses in den Versen 4-9. Das Sch’ma Jisrael (hebräisch, abgeleitet von den beiden ersten Worten „Höre, Israel“) ist der erste hebräische Satz, den ein jüdisches Kind lernt, und es soll der letzte sein, mit dem ein glaubenstreuer Jude sein Leben beschließt. Es wird nach dem Aufstehen am frühen Morgen gesprochen - und nachts vor dem Schlafengehen. Jeder gläubige Jude, der das Sch’ma Jisrael spricht, gibt damit zu erkennen: Es mag in dieser Welt viele Herrscher und Mächte geben, aber ich will Gott, den Einen und Einzigartigen, mit allen Kräften meines Lebens lieben und ihm dienen.
Das Sch’ma Jisrael ist wie ein Schwur auf das Bündnis mit dem einzigen Gott. Mit großem Elan wird dieses Bekenntnis immer wieder neu an jede nachwachsende Generation weitergegeben. Meist wird den Kindern die Befreiungsgeschichte Israels erzählt und sie werden in den Geboten Gottes unterwiesen. So hat es die jüdische Tradition weit besser als die christliche verstanden, innerhalb der Familie die Glaubensüberlieferungen zu tradieren und zu bewahren. Dabei verstehen die orthodoxen Juden die Aufforderung aus Vers 8 bis heute ganz wörtlich, indem sie sich beim täglichen Gebet sowohl auf der Stirn als auch am linken Oberarm kleine Lederkapseln umbinden, in denen sich die Abschrift der Gebote Gottes befindet.
Und noch ein Brauch ist bis heute im Judentum lebendig: An jeder Haus- oder Wohnungstür (und selbst an Hotelzimmertüren) befindet sich eine schmale längliche Kapsel - die so genannte Mesusa -, in der sich auf einem Zettel das Sch’ma Jisrael befindet. Zum Zeichen der Ehrerbietung wird jedesmal beim Eintreten in das Haus bzw. Zimmer die Mesusa mit der Hand berührt. Hinter dieser Praxis steht gewiss auch die Erfahrung, dass äußere Zeichen und Symbole Anstoß und Hilfe sind, den Glauben lebendig - oder doch wenigstens das Fragen danach wach zu halten.
Klaus Jürgen Diehl 
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