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von Jericho
Josua 6
Nach dem friedlich vollzogenen Übergang über den Jordan steht Israel vor seiner größten Bewährungsprobe auf dem Weg ins verheißene Land: der Eroberung Jerichos. Vom militärischen Standpunkt betrachtet ist es ein aussichtsloses Unternehmen! Jericho, nahe am Jordan in einer fruchtbaren Oase gelegen, war ein mit imposanten Stadtmauern versehener Handelsplatz: Schon damals eine der ältesten Städte der Erde. Die entscheidende Aussage steht am Anfang des Kapitels, als Gott Josua wissen lässt: Siehe, ich habe Jericho … in deine Hand gegeben (Vers 2). Und so findet auch keine Eroberung statt, die durch militärisches Geschick oder Überlegenheit der Israeliten erklärbar wäre. Vielmehr soll Israel eine Woche lang immer wieder in einer feierlichen Prozession um die Stadt herumziehen: Dabei soll nichts anderes geschehen, als dass die Priester auf dem Schophar (statt Posaunen wie Luther übersetzt hat; es handelt sich um Widderhörner, die als Signalhörner verwandt wurden) blasen und das Volk ein Kriegsgeschrei erhebt. Und dann heißt es ganz lapidar am siebten Tage dieser seltsamen Prozession: Da fiel die Mauer um… (Vers 20). Nicht, weil die Priester so laut geblasen oder das Volk so markerschütternd geschrieen hätte, sondern weil Gott es so beschlossen hatte. Und dass Mauern bis heute auf wunderbare Weise einstürzen können, haben wir selbst in unserer Generation mit dem Fall der Berliner Mauer miterlebt. Die Bewohner von Jericho werden gebannt und verfallen damit dem Gericht Gottes. Ein Urteil, das wir heute nur schwer nachvollziehen können. Dafür empfinden wir Genugtuung mit dem Schicksal der Prostituierten Rahab, die bei der Eroberung Jerichos samt ihrer Familie verschont bleibt. Sie hatte kurz zuvor unter Lebensgefahr israelitische Kundschafter in ihrem Hause versteckt und dabei den Männern das Versprechen abgenommen, nach erfolgtem Sieg Israels über Jericho mit ihrer Familie am Leben zu bleiben. Es gehört mit zur augenzwinkernden Ironie der Bibel, dass diese in ihrem Lebenswandel so fragwürdige Frau bis ins Neue Testament hinein unvergessen bleibt. So finden wir Rahab im Stammbaum Jesu wieder (Matthäus 1,5), und der Hebräerbrief erwähnt sie sogar ausdrücklich als Beispiel eines vorbildlichen Glaubens (Hebräer 11,31).
Klaus Jürgen Diehl
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