Die Geschichte des Königtums in Israel
Vom Ende der Landnahme ca. 1100 v. Chr. bis zur Zerstörung Jerusalems durch die Römer 70 n. Chr. hat Israel nur etwa 430 Jahre seiner staatlichen Existenz auf ein Königtum gegründet. In der Zeit von Saul (ca. 1020 v. Chr.) bis Zedekia, dem letzten, nach Babylon verschleppten König (587 v. Chr.).
Wenn man dazu bedenkt, dass das zunächst unter Saul und David geeinte Königtum bereits nach Salomo (926 v. Chr.) in zwei Reiche (Israel im Norden und Juda im Süden) aufgeteilt wurde und diese schon bald von assyrischen bzw. später neubabylonischen Oberherren abhängig waren, dann wird deutlich: Die Geschichte des Königtums in Israel bietet wenig Glanz, dafür in der Zeit nach Salomo um so mehr Schatten.
Dass Israel als zunächst recht loser Zwölf-Stämme-Verband auf die Dauer nicht mit je und dann berufenen charismatischen Stammesführern eine stabile politische Ordnung würde aufbauen können, war klar. Der Ruf nach einem König war darum verständlich. Doch gab es auch Einwände dagegen: War nicht JAHWE selbst Israels König, der sein Volk auf wunderbare Weise geführt und immer wieder neu aus der Hand seiner Feinde errettet hatte? Wie konnte Israel mit einem König der Gefahr entgehen, damit Gott "abzuwählen"? Die Antwort die Israel fand, war deutlich: Jeder König in Israel war an das Bundesbuch bzw. das Gottesrecht gebunden; auch persönlich hatten sich die Könige diesem Recht zu unterwerfen. Propheten, die den Königen zur Seite gestellt wurden, hatten für die Einhaltung des Bundes Sorge zu tragen. Allerdings redeten sie häufig doch nur ihren Königen nach dem Munde.
Die politische Bedeutung und räumliche Ausdehnung, die Israel unter den beiden Königen David und Salomo errang - es war im 10. vorchristlichen Jahrhundert die beherrschende Macht im Nahen Osten -, hat es in seiner späteren Geschichte nie wieder erlangt. Das Urteil über die insgesamt 42 Könige, die in Israel bzw. Juda regierten, fiel in der Einschätzung jahwetreuer Geschichtsschreiber fast ausnahmslos negativ aus: Sie taten fast alle, was dem HERRN missfiel.
Klaus Jürgen Diehl

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