Israel
wünscht sich
einen König
1. Samuel 8
Was aus der bisherigen Geschichte Israels nach der Landnahme nur allzu verständlich erscheint - nämlich der Ruf nach einem König als Garanten für eine stabile staatliche Ordnung - wird von Samuel, dem letzten Richter in Israel, als ein schweres Unrecht empfunden. Ja, Gott selbst gibt ihm in dieser Einschätzung Recht, wenn er die Bitte des Volkes um einen König als einen Affront gegen seine Alleinherrschaft deutet. Umso überraschender ist es daher, dass Gott trotzdem anweist, man solle dem Wunsch des Volkes nach einem König nachgeben. An anderer Stelle - 1. Samuel 11 zum Beispiel - wird die Einführung des Königtums jubelnd und dankbar begrüßt als Gabe Gottes an sein Volk, durch die er ihm aus schwerer Bedrängnis hilft.
Offensichtlich gibt es zwei unterschiedliche Traditionsstränge, die über die Entstehung des Königtums in Israel berichten. Die kritische Darstellung in 1. Samuel 8 spiegelt die insgesamt doch recht negative Erfahrung mit der Geschichte des Königtums in Israel wider. Sie ist sozusagen schon das Urteil, das vom Ende her gesprochen wird.
Zu der Erblast, die das Volk mit der Einführung des Königtums zu tragen hat, gehört auch das so genannte Königsrecht, das Samuel dem Volk zur Abschreckung vor Augen stellt: So haben die Söhne Militärdienst bzw. Frondienst zu leisten; das Volk wird mit erheblicher Steuerlast bis hin zur Enteignung rechnen müssen. Schreckensbilder, die unter den späteren Königen Israels oft genug bittere Wirklichkeit werden sollten.
Aber in dieser Stunde ist das Volk taub für solche Warnungen. Es will nun endlich seinen König, - und es bekommt ihn. Aufregend genug bleibt die Tatsache, dass sich die Einführung der Monarchie in Israel nicht durch einen Putsch bzw. eine Machtergreifung von oben vollzieht, sondern aufgrund einer Bürgerbewegung bzw. eines Volksentscheides.
Klaus Jürgen Diehl

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