Saul –
Israels erster König
1. Samuel 10,17-11,15
Über den geschichtlichen Hergang der Berufung bzw. Salbung Sauls zum ersten König Israels gibt es in 1. Samuel 9 - 11 mehrere Berichte: So bekommt Samuel von Gott den Auftrag, den ihm unbekannten Saul aus dem Stamm Benjamin zum König zu salben. Der Erzähler berichtet von einem fremd anmutenden Gemeinschaftsmahl, von der Begegnung mit einer ekstatischen Prophetenschar, durch die dann auch Saul in Verzückung gerät und einer feierlichen Volksversammlung, bei der die zwölf Stämme von Samuel nach Mizpa einberufen werden, wo schließlich das Los auf Saul fällt und er unter den Hoch!-Rufen des Volkes zum König proklamiert wird.
Doch fällt schon hier ein erster Schatten auf das Königtum Sauls. Offensichtlich sind längst nicht alle mit seiner Wahl zum König einverstanden: „Aber einige ruchlose Leute sprachen: Was soll der uns helfen? Und sie verachteten ihn und brachten ihm kein Geschenk. Aber er tat, als hörte er's nicht.“ (1. Samuel 10,27).
Vermutlich gibt aber erst das 11. Kapitel des 1. Samuelbuches geschichtlich am zutreffendsten wieder, wie Saul König wurde. In diesem Kapitel wird Saul in der Reihe der charismatischen Führergestalten der Richterzeit geschildert: „Da geriet der Geist Gottes über Saul...“ (Vers 6).
Angesichts der Gefährdung Israels durch die Philister ruft Saul ein beachtliches militärisches Aufgebot zusammen und befreit die Stadt Jabesch von ihren Bedrohern. Mit der anschließenden Berufung bzw. Bestätigung Sauls zum König ist die Richterzeit in Israel abgeschlossen.
Doch auch bei dieser Schilderung der Erhebung Sauls zum König fällt in den allgemeinen Jubel ein Wermutstropfen. So wird eine königsfeindliche Gruppe mit dem Satz zitiert: „Sollte Saul über uns herrschen?“ (Vers 12). Auch wenn anschließend noch von Sauls großartigem Sieg über die Philister berichtet und seine Herrschaft insgesamt positiv bewertet wird, so ist sein Königtum von einer tiefen Tragik durchzogen. Noch während Saul König ist, geht strahlend ein anderer Stern auf: David.
Klaus Jürgen Diehl

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