Unbenanntes Dokument


Der Tempel

und seine Bedeutung

für den Glauben Israels

 

 

Als Israel bei seiner 40 Jahre währenden Wanderung durch die Wüste in Zelten wohnte, hatte es ein "Zelt"-Heiligtum, die transportable Stiftshütte, in dessen hinterem Raum - dem Allerheiligsten - die Bundeslade mit den Gesetzestafeln aufbewahrt wurde. Nach der Landnahme wurde die Stiftshütte bis zum Bau des salomonischen Tempels von einem Ort zum anderen gebracht. Erst Salomo durfte dann den von seinem Vater David geplanten Tempel bauen, wobei die Stiftshütte das bauliche Vorbild abgab. Von seinen räumlichen Dimensionen her war der Tempel Salomos eher eine Kapelle als eine Kathedrale. Er maß etwa 27 m (Länge) mal 9 m (Breite) mal 13 m (Höhe). Für den Glauben Israels jedoch hatte der Tempel eine einzigartige Bedeutung: Zu Tausenden strömte das Volk zu den großen Festen zum Tempel nach Jerusalem: der Zion, d.h. der Tempelberg in Jerusalem wurde zum Inbegriff israelitischer Frömmigkeit. Eine große Priesterschaft versah gemeinsam mit den Leviten den täglichen Tempeldienst mit seinem umfangreichen Opferkult. Als 587 v. Chr. der Tempel nach der Eroberung Jerusalems von Nebukadnezar zerstört wurde, war das Entsetzen über dieses Geschehen unter den Besiegten groß. Nach der überraschenden Rückkehr aus dem Exil machten sich die Juden daran, in mühsamer Arbeit den alten Tempel wieder aufzubauen (515 v. Chr.). Allerdings erreiche dieser Tempel bei weitem nicht mehr die Pracht seines salomonischen Vorbildes.

 

Es sollte ein kluger Schachzug des von den Römern eingesetzten idumäischen Königs Herodes des Großen sein, mit einem völligen Um- und Neubau des Tempels seine jüdischen Untertanen freundlich zu stimmen. an diesem Tempel wurde in der Zeit von 19 v. Chr. bis 64 n. Chr. nut Unterbrechungen insgesamt 46 Jahre gearbeitet. Es ist der Tempel, in dem Jesus kurz nach seiner Geburt beschnitten wurde und dessen zu geschäftigem Treiben verflachten Kultbetrieb er später in scharfen Worten geißelt. Doch auch dieser überaus prächtige Tempel fällt kurz nach seiner Fertigstellung der Zerstörung durch die Römer im Jahre 70 n. Chr. zum Opfer. Heute versammeln sich fromme Juden zum Gebet an der Jerusalemer Klagemauer, z. T. sind die mächtigen Steinquader noch Überreste des herodianischen Tempels. Unter den orthodoxen Juden ist es bis heute eine Streitfrage, ob der Tempel wieder aufgebaut werden soll – oder ob man die Ankunft des Messias abzuwarten habe. Christen hingegen erwarten mit der Wiederkunft Jesu da neue Jerusalem, in dem es keinen Tempel mehr geben wird, denn der Herr, der allmächtige Gott, ist ihr Tempel (Offenbarung 21,22).

 

 

 

 

Klaus Jürgen Diehl

 




© Nachdruck und Veröffentlichung nicht gestattet. Nur zum persönlichen Gebrauch.
gott.net e. V., Am Denkmal 2, 48249 Dülmen Tel.: 02590-915 810
E-Mail: info@gott.net, Internet: www.gott.net
Spendenkonto: Nr. 88080 bei der KD-Bank Dortmund (BLZ 350 601 90).