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Eine

vernichtende Bilanz

 

2. Könige 17,7‑23

 

 

Im Rückblick auf die ca. 400-jährige Geschichte des Königtums wird in unserem Text eine vernichtende Bilanz gezogen. Mögen Historiker zu der nüchternen Einschätzung neigen, dass sich auf die Dauer kleinere Mächte, wie das nach Salomo in zwei Reiche auseinander fallende Israel (Nordreich) und Juda (Südreich) gegen seine übermächtigen Nachbarn - Ägypten, Assyrer, Babylonier - nicht in ihrer staatlichen Selbständigkeit behaupten konnten, so sieht der biblische Geschichtsschreiber die Ursachen für den Untergang Israels woanders: im fortgesetzten Abfall und Ungehorsam JAHWE gegenüber. Nicht militärische Unterlegenheit oder politische Ungeschicklichkeit haben den Untergang Israels (722 v. Chr.) und später Judas (587 v. Chr.) herbeigeführt, sondern der sich ständig wiederholende Bruch des Bundes, den Gott einst, nach der Befreiung aus der Hand der Ägypter, mit Israel geschlossen hatte. Die gegen Israel erhobene Anklageschrift reicht von der Errichtung heidnischer Götterbilder und -altäre auf den Höhen, über die Teilnahme an heidnischem Opferkult, die Übernahme okkulter und spiritistischer Praktiken bis hin zur Verachtung der zum Bund mit Gott gehörenden Gebote und Satzungen. Dabei hat Gott sie in ihrem verwerflichen Tun nicht einfach sich selbst überlassen, sondern sie immer wieder durch Propheten warnen und zur Umkehr mahnen lassen. Doch - von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen - verhallten diese Bußrufe ungehört. Im Gegenteil: Das Volk und seine Könige reagierten immer unwilliger auf die Stimme der Propheten, die in Gottes Auftrag das drohende Gericht ankündigten. Am Ende kam, was angesichts der Halsstarrigkeit des Volkes kommen musste: Über Israel entlud sich das Zornesgewitter des strafenden Gottes.

 

Die Übriggebliebenen, die z. T. in babylonischer Gefangenschaft ein kümmerliches Dasein fristeten, standen nun vor der Frage: Ist damit Gottes Geschichte mit seinem Volk zu Ende? Gibt es bei Gott noch einmal Gnade für uns? Dürfen wir auf einen Neuanfang hoffen? Genau in dieser geschichtlichen Stunde Null nach dem Zusammenbruch setzt die Botschaft des 2. Teiles des Jesajabuches ein.

 

 

Klaus Jürgen Diehl

 

 




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