Lob auf
Gottes große Güte
Psalm 103
Auf vielfältige Weise wird im Psalter das Lob Gottes gesungen. Manche Psalmen sind Loblieder auf die Großartigkeit der Schöpfung Gottes; in anderen wird Gott für sein wunderbares Handeln in der Geschichte Israels gepriesen. Andere Lobpsalmen wiederum sind Bestandteil der großen Festliturgien, wenn die Menschen in großer Zahl zum Tempel nach Jerusalem wallfahrten.
Psalm 103 ist das Loblied eines Beters auf die grenzenlose Barmherzigkeit Gottes. Auch wenn aus diesem Psalm nicht mehr das individuelle Schicksal eines einzelnen Beters herausgelesen werden kann, so haben doch unzählige Generationen von Betern ihre eigenen Lebenserfahrungen in die Worte dieses Lobpsalms zusammenfassen können. Was am Ende eines Lebens zu bilanzieren ist, hat weniger mit menschlichem Erfolg und eigenen Leistungen zu tun, als mit Gottes bleibendem Erbarmen, der unser Leben nicht nach Verdienst und Versagen aufrechnet.
Loblieder sind immer wieder auch Lieder gegen das Vergessen. Wenn es um erfahrene Wohltaten Gottes in unserem eigenen Leben geht, dann leiden wir häufig an Vergesslichkeit - oder nehmen es als allzu selbstverständlich hin, wenn es uns gut geht und wir uns des Lebens freuen können. Darum ermuntert sich der Beter: Vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat (Vers 2)! Loblieder wollen darum auch nicht „im stillen Kämmerlein“ für sich gesungen werden; es sollen ansteckende Lieder sein, in die viele mit einstimmen, weil ihnen Herz und Mund überfließen angesichts der vielfach erfahrenen Barmherzigkeit Gottes. Darum sind Loblieder auch immer so etwas wie eine öffentliche Beifallskundgebung, eine Demonstration der Dankbarkeit durch die von Gott so reich Beschenkten. Loblieder sind Lieder im vielstimmigen Chor.
Klaus Jürgen Diehl

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