Unbenanntes Dokument


Israels Propheten –

Gottes oft unerhörte

Mahner und Tröster

 

Die Anfänge der Prophetie in Israel liegen im geschichtlichen Dunkel, auch wenn bereits in der frühen Königszeit in Ekstase geratene Prophetengruppen ("Seher" genannt) erwähnt werden, die offenbar zwischen Heiligtümern hin- und herzogen und dort aktiv wurden. In der Folgezeit bildet sich daraus eine vielfältig gegliederte Berufsprophetie, zu denen vor allem die Kultpropheten gehören, die neben den Priestern an den Heiligtümern tätig sind. Sie verstehen sich als Mittler zwischen Gott und Mensch, indem sie einerseits auf Anfragen hin oder ungefragt den Willen Gottes verkünden bzw. Orakel erteilen, andererseits als Vertreter des Volkes oder eines Menschen vor Gott Fürbitte zu üben haben.

 

In ganz überwiegendem Maße verstehen sich diese Berufspropheten als Heilspropheten, das heißt sie sehen ihre vordringliche Aufgabe darin, dem Volk trotz seiner Verfehlungen immer wieder die Unaufkündbarkeit des von JAHWE mit Israel geschlossenen Bundes zu bestätigen. Eben dadurch aber entzündet sich ständig neu der Konflikt zu der gegenüber den Kultpropheten zahlenmäßig kleinen Gruppe der Einzelpropheten, deren Schriften uns im Alten Testament überliefert sind und die im Wesentlichen unser Bild von der Prophetie Israels bestimmt haben.

 

Diese Einzel- bzw. Schrift-Propheten üben ihr Prophetentum nicht berufsmäßig aus, sondern auf Grund einer besonderen Berufung, durch die sie aus ihrem ursprünglichen Beruf bzw. Stand herausgerissen werden. Oft genug sind es Propheten wider Willen, die mit ihrer eigenen Existenz darunter leiden, dass sie einem ungehorsamen und abtrünnigen Volk immer wieder neu das nahe bevorstehende Gericht Gottes anzukündigen haben. Die Propheten sind in ihrer Wirksamkeit darauf angewiesen, dass Gott ihnen in Gestalt von Visionen und Auditionen sichtbar und hörbar seinen Willen offenbart, den sie dann als Wort JAHWES („So spricht der HERR...“) an das Volk bzw. an bestimmte Gruppen im Volk weitergeben. Selten genug finden die Propheten mit ihren Botschaften dabei Gehör. Oft bleibt ihnen nur das Schicksal unerhörter Mahner - und gelegentlich auch Tröster. Doch so unausweichlich Gottes Strafgericht über Israel auch erscheint, so erschöpft sich die Botschaft der Propheten darin glücklicherweise nicht. Manche Weissagungen der Propheten weisen hinüber in eine neue Heilszeit nach dem Zusammenbruch. Für uns Christen sind diese Weissagungen eine Ankündigung des Neuen, das schließlich mit dem Kommen Jesu für Israel und die Welt beginnt.

 

 

Klaus Jürgen Diehl

 

 




© Nachdruck und Veröffentlichung nicht gestattet. Nur zum persönlichen Gebrauch.
gott.net e. V., Am Denkmal 2, 48249 Dülmen Tel.: 02590-915 810
E-Mail: info@gott.net, Internet: www.gott.net
Spendenkonto: Nr. 88080 bei der KD-Bank Dortmund (BLZ 350 601 90).