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Gott
kehrt um

 

Hosea 11

 

 

 

Wie Amos gehört auch Hosea zu den frühen Propheten in Israel, und wie dieser ist er überwiegend Gerichtsprophet. Schonungslos hält Hosea dem abtrünnigen Volk die Schuld seiner Treulosigkeit vor. Als Prophet muss er eine Hure heiraten ‑ als Sinnbild für den unbegreiflichen Abfall des Volkes von Gott. Obwohl Israel von den frühen Tagen seiner Geschichte an immer wieder Gottes unbedingte Zuwendung erfahren hat, wirft es sich wie eine treulose Liebhaberin anderen Göttern an den Hals und übernimmt hemmungslos den kanaanäischen Baalskult. Der Prophet zeichnet das erschütternde Bild des Abfalls eines Volkes von seinem Gott, der Auflösung von Moral und Sitte im öffentlichen wie im privaten Leben und der Zerrüttung des Staatswesens durch unheilvolle Parteikämpfe, Thronwirren und Königsmorde.

 

Der HERR hat Ursache, zu schelten, die im Lande wohnen; denn es ist keine Treue, keine Liebe und keine Erkenntnis Gottes im Lande, sondern Verfluchen, Lügen, Morden, Stehlen und Ehebrechen haben überhand genommen, und eine Blutschuld kommt nach der andern (Hosea 4,1.2).

 

Nun ist zu erwarten, dass auf eine solche berechtigte Anklage der Urteilsspruch erfolgt und Israel dem verdienten Gericht Gottes anheimfällt. Doch dann findet sich unvermittelt zwischen den Strafpredigten und Gerichtsankündigungen das 11. Kapitel des Hoseabuches, mit dem eine unbegreifliche Wende eintritt. Zunächst erinnert der Prophet an die Jugendzeit lsraels: Als Israel jung war hatte ich ihn lieb und rief ihn, meinen Sohn, aus Ägypten (Vers 1).Wie ein zärtlicher, treusorgender Vater kümmerte sich Gott um Israel wie um ein Findelkind.

 

Doch Israel reagierte auf Gottes Fürsorge mit unbegreiflicher Abkehr und unverfrorenem Götzendienst (Vers 2). Es wäre nur allzu verständlich, wenn Gottes Geduld und Langmut ein Ende hätten und Israel dem Raub fremder Herrscher preisgegeben würde (Vers 6). Doch dann finden wir ganz unvermittelt mitten in der Gerichtsandrohung die Feststellung, dass Israel trotz drohendem Gerichts unfähig ist - zu müde schreibt Hosea -, um noch einmal umzukehren und für seine Schuld Buße zu tun. Stattdessen geschieht das Wunder, dass Gott zu seinem Volk umkehrt. Sein Erbarmen fällt dem eigenen Gerichtswillen in den Arm. Seine Liebe gewinnt die Oberhand über seinen Zorn. Bis heute leben wir von solch unverdienter Güte Gottes.

 

Klaus Jürgen Diehl

 




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