Unbenanntes Dokument


Zusage
für einen
neuen Vertrag

Jeremia 31, 31-34

 

Auch wenn Jeremia in jungen Jahren von Gott zu einer ehernen Mauer, d.h. zum Bollwerk gegen sein Volk Israel berufen wurde und seine Botschaft ganz überwiegend aus der Ankündigung des drohenden Gerichts besteht, so darf er mit der ihm von Gott anvertrauten Botschaft nicht nur ausreißen und einreißen, zerstören und verderben, sondern gelegentlich auch bauen und pflanzen (Jeremia 1,10). So finden wir in Jeremia 30 bis 33 eine kleine Sammlung verschiedener Heilsworte, die das gesamte sich über vier Jahrzehnte erstreckende Wirken des Prophe­ten umfasst. Das bemerkenswerteste Heilswort – die Verheißung des neuen Bundes – ist dabei in Jeremia 31,31-34 festgehalten. Während es in Jeremia 30 und 31 im Wesentlichen um die Ankündigung der Heimkehr aus dem Exil und des neuen unbeschwerten Lebens in der Heimat geht, enthält Jeremia 31,31-34 mit der Ankündigung eines neuen Bundes eine Verheißung ganz anderer Art. Das Neue wird vor allem darin gesehen, dass künftig das Verhältnis Gottes zu seinem Volk grundlegend verändert wird. War es Kennzeichen des alten Bundes vom Sinai, dass Gott seinem Volk die Lebensordnung der Zehn Gebote offenbarte, die dann doch von Generation zu Generation stets neu übertreten und missachtet wurden, so wird Gott im neuen Bund seine Lebensordnung in die Herzen der Menschen einpflanzen.

 

Gottes Wille erscheint nun nicht mehr als Forderung von außen, die Israel schließlich doch nie erfüllte, sondern Gott wird künftig die Herzen der Menschen so verwandeln, dass sie tun können, was Gott will. Die Verheißung Jeremias vom neuen Bund weist damit schon weit in die Zukunft. Jesus selbst wird bei der Einsetzung des Abendmahls diese Verheißung aufnehmen, wenn er als Grundlage des neu gestifteten Bundes von seinem Blut spricht, das zur Vergebung eurer Sünden vergossen wird (Lukas 22,20). Indem Gott uns um Jesu willen unsere Sünde vergibt und damit alles uns Trennende und Belastende aus dem Weg räumt, ist die entscheidende Voraussetzung für einen grunlegenden Neubeginn geschaffen. Weil Gott im neuen Bund das Herz jedes Einzelnen verwandelt, wird damit auch die Trennung zwischen Priestern, Propheten bzw. Lehrern einerseits und dem Volk andererseits hinfällig: Jeder wird fortan Gottes Willen erkennen und beherzigen und so persönlich Gemeinschaft mit Gott haben können.

 

 

 

Klaus Jürgen Diehl

 

 




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