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Jeder trägt
Verantwortung
für sein Leben

Hesekiel 18

 

Noch bevor Jerusalem endgültig von den Babyloniern erobert und dem Erdboden gleichgemacht wird, kommt es im Jahr 597 v. Chr. – also 10 Jahre vor der großen Katastrophe – zu einer ersten Deportation des jüdischen Adels und der Priesterschaft nach Babylon. Unter den Verschleppten befindet sich auch der junge Priester Hesekiel. (die lateinische Fassung seines Namens ist Ezechiel). Fünf Jahre nach seiner Deportation wird er von Gott zum Propheten berufen und predigt unter den gefangenen Juden mindestens 22 Jahre lang.

 

Im Unterschied zu dem um eine Generation älteren Jeremia ist der Stil Hesekiels sachlich und trocken, auch wenn seine Sprache von vielen Gleichnissen und einem großen Bilderreichtum geprägt ist. Steht am Beginn seiner prophetischen Wirksamkeit die Gerichtsbotschaft noch völlig im Vordergrund, so wird Hesekiel später zum Verkünder des Erbarmens Gottes und einer neuen Heilszeit für Israel.

 

Bemerkenswert neu an der Prophetie Hesekiels ist die Zuwendung zu dem Einzelnen: Das Volk wird nicht mehr als Ganzes in die Kollektivhaftung für begangene Schuld genommen, sondern jeder Einzelne trägt fortan Verantwortung dafür, ob er Gott gehorcht und seine Gebote hält – oder nicht. Ganz persönlich wird jeder für seine Taten zur Rechenschaft gezogen. Hesekiel 18 markiert dabei diesen auffälligen Wandel am deutlichsten. Er knüpft an ein geflügeltes Wort an, das besonders unter den Verschleppten die Runde macht: Die Väter haben saure Trauben gegessen, aber den Kindern sind die Zähne davon stumpf geworden (Vers 2). Im Klartext: Wir Jungen müssen die Suppe auslöffeln, die uns die Väter durch ihre Schuld eingebrockt haben! Dem tritt Hesekiel nun entschieden entgegen und stellt klar: Dieses Sprichwort gilt jetzt nicht mehr! Mit dem Fall Jerusalems ist die Zeit der Kollektivhaftung Israels abgeschlossen. In Zukunft wird Gott jeden Einzelnen nach seinen Taten beurteilen. Es wird den Kindern nicht zum Nachteil gereichen, wenn die eigenen Eltern gottlos gelebt haben. Die Kinder werden andererseits für ihre eigene Schuld gerade stehen müssen, selbst wenn ihre Eltern fromm waren. Leidenschaftlich wirbt Hesekiel am Ende des Kapitels um die Umkehr der Herzen zu Gott. Noch hat jeder Mensch die Chance, das Leben zu wählen.

 

 

Klaus Jürgen Diehl

 

 




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