Trostbotschaft für Geschlagene
Jesaja 40
Etwa zwei Jahrhunderte lang hatten die von Gott berufenen Propheten einem treulosen Volk immer wieder das drohende Gericht ankündigen müssen, um sie auf diese Weise – vielleicht in letzter Minute – zur Umkehr zu bewegen. Doch fast immer verhallt ihre Botschaft ungehört. Obwohl. Gott in seiner Güte immer wieder das Gericht verzögert, bricht schließlich doch mit ganzer Wucht die Katastrophe über das Volk Gottes herein. Die Zerstörung Jerusalems 587 v. Chr. und die Verbannung großer Teile des Volkes ins babylonische Exil markiert aber nicht nur einen geschichtlichen Wendepunkt; sie ist zugleich ein Wendepunkt in der Prophetie Israels. Denn mit dem Exil ist die Zeit der Gerichtsprophetie beendet.
Die Propheten des Exils haben den Auftrag, dem geschlagenen und zerstreuten Rest des Volkes zu verkünden, dass Gott trotz allem sein Volk nicht verlassen hat und dass es noch Heil von ihm erwarten kann. So erhält der unbekannte Prophet im 2. Teil des Jesajabuches – weil wir seinen richtigen Namen nicht kennen, nennen wir ihn Deutero-Jesaja, d.h. den „2. Jesaja" – den Auftrag, sein geschlagenes und gedemütigtes Volk zu trösten und es aus seiner Depression heraus zu neuer Hoffnung zu rufen: Tröstet, tröstet mein Volk... (Vers 1). Doch solcher Trost und Ermutigung, die die Aussicht auf eine baldige Rückkehr in die Heimat und den Wiederaufbau Jerusalems und des Tempels mit einschließen, sind nur die eine Seite der Botschaft dieses Propheten. Zugleich soll er den an Gottes Geschichtsmächtigkeit Zweifelnden aufzeigen, dass der Gott des geschlagenen Volkes Israel dennoch alle Macht in seinen Händen hält und in der Geschichte weiter wirkt. In den Versen 12-31 wird in immer neuen Bildern und Vergleichen die einzigartige Souveränität Gottes herausgestellt: Mit wem wollt ihr denn Gott vergleichen (Vers 18)? Mit den mächtigen, überlegenen Völkern ringsum? Siehe, die Völker sind geachtet wie ein Tropfen am Eimer! (Vers 15). Oder wollt ihr Gott mit den beeindruckenden Götterstatuen anderer Religionen vergleichen? Sie sind doch nur von Menschen geschaffene Produkte (Verse 19.20). Und wer jetzt noch einwendet, Gott habe sich zurückgezogen und schweige, dem hält der Prophet entgegen: Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? ... Gott gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden (Verse 28.29).
Klaus Jürgen Diehl

|
© Nachdruck und Veröffentlichung nicht gestattet. Nur zum persönlichen Gebrauch. gott.net e. V., Am Denkmal 2, 48249 Dülmen Tel.: 02590-915 810
E-Mail: info@gott.net, Internet: www.gott.net Spendenkonto: Nr. 88080 bei der KD-Bank Dortmund (BLZ 350 601 90). |