Unbenanntes Dokument


Mühsamer
Neubeginn
nach dem Exil

 

Die Verheißungen des „Zweiter Jesaja" genannten Propheten hatten unter den Verbannten in Babylon neue Hoffnung geweckt. Als kurz darauf der Perserkönig Cyrus in Babylon einmarschiert, gehört zu seinen ersten Amtshandlungen der so genannte Cyrus-Erlass aus dem Jahr 538 v. Chr., in dem es den gefangenen Juden erlaubt wird, in die Heimat zurückzukehren. Zugleich wird angeordnet, den Tempel in Jerusalem wieder aufzubauen. Doch obwohl sich die Juden im unreinen Land jahrzehntelang nach dieser Rückkehr gesehnt und die Erinnerung an die lebendigen Gottesdienste und eindrücklichen Feste im Tempel wach gehalten hatten, brechen längst nicht alle Deportierten sogleich ihre Zelte in Babylon ab, um in die Heimat zurückzukehren. Auch in der Fremde haben sich viele inzwischen so eingerichtet, dass sie eigene Häuser und Gärten besitzen und gemeinsam in Ortschaften wohnen, wo sie ihr Brauchtum pflegen und ihren Glauben gemeinsam praktizieren. Vor allem durch die Feier des Sabbats und die bei den Babyloniern ungebräuchliche Beschneidung versuchen die Juden, ihre religiöse Identität in der Fremde zu wahren.

 

Aus der Heimat hingegen gibt es wenig Mut machende Nachrichten: Abgesehen davon, dass die zurückgebliebenen Juden häufig noch zwischen den Trümmern der alten Hauptstadt hausen, sind ihre materiellen Bedingungen meist bedrückender als die ihrer Volksgenossen im babylonischen Exil. So ist verständlich, dass sich die Rückkehr in die Heimat und der Neubeginn dort bei weitem mühsamer gestalten, als es in der ersten Euphorie nach dem Sturz des Babylonierreiches zu erwarten war. Zwar wird nach der Heimkehr der ersten Verbannten sogleich der Brandopferaltar wieder hergestellt und in Dienst genommen. Auch die von Cyrus angeordnete Grundsteinlegung für den neuen Tempel erfolgt rasch. Doch dann erlischt der Wille zum Wiederaufbau. Kleinglaube und Resignation breiten sich aus. Schließlich führen Unruhen im persischen Reich dazu, den Weiterbau des Tempels bis auf weiteres einzustellen.

 

Es dauert fast zwei Jahrzehnte, bis Gott neue Voraussetzungen schafft. Zum einen kehrt Ruhe in das persische Großreich ein, in dem der neu an die Macht gekommene Perserkönig Darius sein durch Unruhen erschüttertes Reich befriedet. Zum andern beruft Gott mit Haggai und Sacharja um 520 v. Chr. zwei Propheten, die mit Ausdauer und Tatkraft den Bau des Tempels vorantreiben. Vor allem Haggai ist es gegeben, von den Führern bis zum einfachen Mann im Volk alle zu motivieren, um in gemeinsamer Anstrengung den Tempelbau zu vollenden.

 

 

 

Klaus Jürgen Diehl

 




© Nachdruck und Veröffentlichung nicht gestattet. Nur zum persönlichen Gebrauch.
gott.net e. V., Am Denkmal 2, 48249 Dülmen Tel.: 02590-915 810
E-Mail: info@gott.net, Internet: www.gott.net
Spendenkonto: Nr. 88080 bei der KD-Bank Dortmund (BLZ 350 601 90).