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Der
„liebe Gott“
ist tot.

 

 

Was haben wir eigentlich aus Gott gemacht? Wir Glaubenden in unserer Gläubigkeit, wir Atheisten in unserer Ablehnung des angeblich nicht geglaubten Gottes. Und wir Prediger auf den Kanzeln aller Kirchen? Gott umgepolt, brauchbarer gemacht für unsere Zwecke? Einfach abgeschafft? Das Phänomen lässt sich durchaus beobachten.

 

Es ist der Gott nach unserer Masche. Geeignet für die Bestätigung unserer eigenen Wünsche. Er hat zu unterschreiben, was wir ihm vorlegen. Passend für alle Gelegenheiten. Der „liebe Gott“ des bürgerlichen Christentums. Ich meine nicht den lieben Gott der kleinen Kinder. Sie dürfen von Herzen so sprechen. Wir jungen und älter gewordenen erwachsenen Menschen jedoch nicht.

 

Ich schreibe diese Gedanken am „Volkstrauertag“. Früher war es der „Heldengedenktag“, doch die Helden haben wir zu Recht abgeschafft. Aber das Denken an die Toten macht nachdenklich. Wie furchtbar haben sich Menschen getötet und tun es immer noch. Nicht nur im Irak. Am Mittwoch dieser laufenden Woche ist der „Buß- und Bettag“, der vor ein paar Jahren zu Gunsten der Pflegeversicherung abgeschafft wurde. Nun denn, die Kirchen meldeten ihren Widerspruch an, doch dieser Tag war längst bei den meisten Namenschristen aus der Mode gekommen. Kreative Gemeinden bieten für den Abend einen Gottesdienst für nachdenkliche Leute an. Aber nicht, um Depressionen zu pflegen, sondern um ehrlich vor Gott zu sein und Wege in die Befreiung durch Vergebung zu erfahren. Und dann folgt am kommenden Sonntag der „Totensonntag“, so heißt er in meinem Terminkalender. Christen reden lieber vom „Ewigkeitssonntag“, weil sie ihre Verstorbenen in den Händen Gottes wissen. Ewigkeit heißt nicht endlose Zeit, sondern die durch die Verbundenheit mit Gott qualifizierte Dimension über den Tod hinaus. Also geborgen für Zeit und Ewigkeit bei Gott.

 

Diese Woche hat es also mit drei hartkantigen Anlässen zu tun. Ich würde lügen, wenn ich nicht ganz offen vom heiligen Gott schreiben würde. Das ist kein dunkler Gott hinter dem liebenden Gott, doch er ist eben nicht der liebe Gott, der lieb zu sein hat, weil wir ihn gerne so hätten. Die Frage nach Gott läuft ins Leere, wenn wir die Ehre Gottes und seine Heiligkeit verramschen und vergessen. Auch Christen sind hier sehr vergesslich. Gott liebt uns nicht, weil er so lieb ist, oder gar wir so lieb sind, sondern weil er uns vor uns selbst und vor seinem Gericht retten will. „Wir sollen nicht verloren sein, Gott will, uns soll geholfen werden.“ Darum hängt das Kreuz als Zeichen der Erinnerung in unseren Kirchen. Bei mir auch neben einer Zimmertür. Manchmal lege ich die Hand im Vorbeigehen drauf. Und sage still danke.

 

Ist das hier eine harte Rede, die dem Leser die Lust am Glauben raubt? Verdüstere ich hiermit das Gemüt des Lesers? Absolut nicht. Ich liebe Gott, weil er mich zu meinem Erstaunen liebt und ich weiß, dass er nicht nur alle Menschen, sondern auch den Leser dieser Nachricht liebt. Doch ist es absolut wichtig zu wissen, dass es sich nicht nur um eine Stimmung im Herzen eines „höheren Wesens“ handelt, das anonym jenseits der Sternennebel wohnt. Es ist die Liebe Gottes, der alles für uns gab, „er ließ (es sich) sein Bestes kosten“. „Gott ist Liebe“ verstehen wir nur vor dem Kreuz. Alles andere ist religiöse Sentimentalität, die niemand in den Krisen des Lebens hilft.

 

So gehen wir durch diese Woche der drei harten Daten. Der Tod kann uns nicht aus den Händen Gottes reißen. Die Schuld darf uns nicht mehr von Gott trennen. Auch unter uns verliert sie ihre trennende Macht. Die Buße meint Umkehr zu Gott und sie ist „ein fröhliches Geschäft“ wie Luther einmal sagte. Glauben sie es mir, Gott mag sie sehr, er will nicht ohne sie Gott sein. Und sie müssen nicht ohne ihn Mensch sein. Die Ewigkeit übersteigt alle irdischen Vorstellungen, doch sie wird schöner sein, als alles, was wir denken und fühlen können.

 

Johannes Hansen

 




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