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Ich habe Zeit für dich
                      - Gott

 

 

Da frage ich mich natürlich, wie denn Gott, der die Welt erschuf und im geheimnisvollen Schöpfungsprozess auch uns Menschen, nun noch sozusagen privat Zeit für mich haben soll. „Tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist“, sagt Psalm 90, 4 von Gott. Und er hat in dieser Sekunde Zeit für mich?
Ich habe Zeit für dich, sagt Gott.

 

Er hört mein stilles und gestottertes Gebet? Ich spreche oder denke das Gebet über dem Steuer meines Wagens auf der Autobahn. Ich stöhne es in mich hinein und doch schreie ich es hinaus zu Gott, was mich plagt. Vielleicht zerbröselt gerade meine Ehe. Die Familie läuft aus dem Ruder. Vielleicht werde ich demnächst „freigestellt“, also aus der Firma „entfernt“.
Ich habe Zeit für dich, sagt Gott.

 

Oder mir ist gerade meine große Liebe davon gelaufen. Oder war ich ihr, der großen Liebe, gerade untreu und schäme mich. Ich sage es Gott und er hat Zeit für mich? Zeit für mich schwachen Typ, für mich, den starken Kerl, die Frau mit Charme und Schick? Oder für mich, die junge Frau, die man einen bunten Schmetterling nennt.
Ich habe Zeit für dich, sagt Gott.

 

Ich habe gerade meine Mathearbeit in den Sand gesetzt, das Abitur wird in die Hose gehen. Wie soll sich ein Gott für mich leere Flasche interessieren? Mir geht es so unverschämt gut, ich möchte mich bei der höchsten Instanz bedanken, ob die mich wohl ernst nimmt?
Ich habe Zeit für dich, sagt Gott.

 

Ich möchte an Gott glauben und zu ihm beten können, doch wer zeigt mir die Tür zu Gott? Ich bin nicht kirchlich, doch quält mich gerade die Frage nach dem Sinn des Lebens fürchterlich, gibt denn keiner Antwort?
Ich habe Zeit für dich, sagt Gott.

 

So geht es weiter und weiter - das Leben ist voll von Leben.

 

Ob Gott eigentlich alles gleichzeitig aufnimmt, was aus der großen Menschheit ständig per Klagen, Bitten, Geschimpfe und Jubilieren bei ihm ankommt? Will ich kleiner Mensch wirklich so kleinlich und mit meiner Küchenphysik über Gott urteilen? Längst gibt es elektronische Rechner, die in Bruchteilen von Sekunden riesige Mengen von Daten und Signalen verarbeiten. Ich verstehe nicht wie das geht, doch es ist so. Nun ist Gott kein Großcomputer, doch der Vergleich erledigt meine Mini-Intelligenz, was die Skepsis über die Möglichkeiten Gottes angeht.

 

Ich habe Zeit für dich –Gott, so steht es auf der Uhr. Der alte oder junge Atheist kann sich beim Lesen dieser Sätze ein breites Grinsen nicht verbeißen. Sorgen habe die, diese frommen Leute. Ich kenne keinen Gott und will auch nicht, dass einer sich um mich kümmert. Ich will mit allem selbst fertig werden. Auch für diesen Menschen hat Gott Zeit. Er liebt Atheisten, nicht nur Christen.

 

Die Tür zu Gott ist Jesus. Er sagte: „Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden, klopft an, so wird euch aufgetan.“ Diesen Satz lesen, sich freuen und einfach beten. So kann es beginnen.

 

Es gibt nicht nur den Sekundentod, es gibt auch den Sekundenglauben. Plötzlich geht jemand ein Licht auf. Gott ist uns näher als wir denken. Er ist wie Luft um uns herum, wie der Atem in uns, er scheint oft ganz fern zu sein, doch dann ganz nahe. Abgesehen davon, der sich mit seiner Anwesenheit nicht nach unseren wechselnden Stimmungen richtet. Der Geist Gottes ist unterwegs. Gott ist ein Sucher und ein Finder.

 

 

Johannes Hansen

 

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