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Ein Afrikaner
wird Christ

 

Apostelgeschichte 8, 26-40

 

 

Genießt die rasch wachsende Gemeinde der Jesusanhänger in Jerusalem zunächst das Wohlwollen der Bevölkerung, so ist die Entwicklung den einflussreichen religiösen Kreisen doch ein Dorn im Auge. Mit der Hinrichtung des unbequemen Nazareners hat ten sie gehofft, seine Bewegung endgültig gestoppt zu haben. Doch trotz einschüchternder Verhöre, erster Verhaftungen und der öffentlichen Steinigung eines Rädelsführers – Stephanus –, zieht die Botschaft von Jesus über Jerusalem hinaus immer weitere Kreise. Die Geschichte von der Taufe eines aus dem fernen Äthiopien stammenden Ministers – bekannt als Kämmerer aus dem Mohrenland – zeigt, wie der Funke des Evangeliums auf die Völkerwelt überspringt. Dieser Heide nimmt eine beschwerliche Wallfahrt auf sich, offensichtlich auf der Suche nach dem lebendigen Gott. Doch als Unbeschnittener, d. h. nicht zum Volk der Juden Gehörender, darf er am Jerusalemer Tempelgottesdienst nicht teilnehmen. In seiner vermutlichen Enttäuschung darüber erwirbt er sich eine Schriftrolle mit der Botschaft des Propheten Jesaja, die er nun aufmerksam auf seinem Heimweg studiert.

 

Von Gottes Geist gelenkt trifft der Minister auf einsamer Wüsten­straße Philippus, einem durchs Land ziehenden Propheten der christli­chen Gemeinde. Gerade ist der Äthiopier dabei, das 53. Kapitel des Jesajabuches zu lesen, in dem vom leidenden Gottesknecht erzählt wird. Er weiß nicht, von wem da die Rede ist und stellt darum Philippus die entscheidende Frage: Ist hier von dem Propheten selbst die Rede oder von einem anderen, zukünftig Kommenden?

 

Für Philippus könnte die Gelegenheit kaum günstiger sein, dem Fremden von Jesus, seinem bereits von Jesaja prophezeiten Leiden und Sterben, zu erzählen. Er führt ihn direkt in die Mitte der christlichen Botschaft, zum Wort vom Kreuz (1. Korinther 1,18). Es ist, als ob es dem afrikanischen Minister plötzlich wie Schuppen von den Augen fällt und seine lange Suche nach Gott endlich an ihr Ziel gekommen ist. Es wird ihm deutlich, dass Jesus auch um seinetwillen den Tod am Kreuz auf sich genommen hat. Er zögert darum keinen Augenblick länger, um sich taufen und in die Gemeinde des neuen Bundes aufnehmen zu lassen. Beglückt wie der Kaufmann, der nach langem Suchen endlich die kostbare Perle gefunden hat, zieht er heimwärts.

 

 

Klaus Jürgen Diehl

 




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