Die Bekehrung des Saulus
Apostelgeschichte 9,1-20
Kein anderer hat die Ausbreitung des christlichen Glaubens so sehr geprägt wie Paulus. Dabei ist er Jesus während der Zeit dessen irdischen Wirkens nie begegnet. Aufgewachsen in der jüdischen Diaspora – in Tarsus, der Hauptstadt der römischen Provinz Cilicien – hatte er sich als junger Mann den Pharisäern angeschlossen. Im Rückblick auf diese Zeit schreibt er später: Ich bin nach dem Gesetz ein Pharisäer, nach dem Eifer ein Verfolger der Gemeinde, nach der Gerechtigkeit, die das Gesetz fordert, untadelig gewesen (Philipper 3,5b.6). Mit dieser Charakterisierung stuft er sich selbst als leidenschaftlicher Eiferer für die Befolgung des jüdischen Gesetzes ein. Gerade deswegen mussten ihm die Christen als religiöse „Volksschädlinge" erscheinen, weil sie die grenzenlose Barmherzigkeit Gottes verkündeten, statt zu strikter Beachtung des Gesetzes aufzufordern. Wer aber Gottes Liebe selbst gegenüber offensichtlichen Sündern und Gesetzlosen predigt, zerstört die Grundlagen der jüdischen Religion. Dagegen gibt es nur ein Mittel: die entschlossene Bekämpfung solcher Irrlehren und die gewaltsame Auflösung der christlichen Gemeinden. Zu diesem Zweck ließ sich der junge Saulus – so sein ursprünglicher Name –Vollmachten von höchster Stelle in Jerusalem geben, um die Anhänger des neuen Weges (Vers 2) in Damaskus verhaften zu können. Doch es kommt ganz anders: Auf dem Weg nach Damaskus stellt sich ihm der bereits in den Himmel aufgefahrene Jesus in den Weg und wirft das Steuer seines Lebens um 180 Grad herum. Er, den Saulus bisher für den Anstifter einer verhängnisvollen jüdischen Sekte hielt, erweist sich in dieser Begegnung als der Stärkere. Nun soll Saulus seinen Namen vor Heiden und vor Könige und vor das Volk Israel tragen (Vers 15).
Mit Blindheit geschlagen wird Saulus nach Damaskus geführt, wo die erste Begegnung mit den dortigen Christen verständlicherweise nicht ganz komplikationslos verläuft. Denn Saulus ist bis Damaskus der Ruf vorausgeeilt, ein „Christenfresser" zu sein. Doch als Hananias, einer der führenden Christen in Damaskus von Gott über die dramatische Lebenswende ihres bisherigen Verfolgers erfährt, zögert er nicht, Saulus in Damaskus aufzusuchen, ihm als Zeichen des Segens die Hand aufzulegen und ihn als lieben Bruder Saul (Vers 17) anzureden. Zum Zeichen, dass auch er sich nun zur Gemeinde der Christen zugehörig weiß, lässt Paulus sich umgehend taufen und beginnt zum Entsetzen vieler in der Synagoge von Jesus als Gottes Sohn zu predigen.
Klaus Jürgen Diehl 
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