Frieden mit Gott
Römer 5,1-11
Ging es Paulus in Römer 3,21 ff. zunächst darum, die im Sühneopfer Jesu sich vollziehende Gerechtigkeit Gottes als entscheidende Wende zum Heil aller Menschen darzulegen, so setzt unser Text mit einem neuen Gedankengang ein. Paulus beschäftigt sich jetzt mit den Konsequenzen aus dem Urteilsspruch Gottes über die Menschen: Was folgt daraus für die Beziehung zu Gott, für das tägliche Leben, die Zukunft?
Eine erste Antwort lautet: Weil wir trotz unserer vielfältigen Schuld von Gott freigesprochen sind, können wir endlich im Frieden mit Gott leben. Offenbar sieht Paulus das Verhältnis zu Gott vorher durch Feindschaft und Misstrauen (vgl. Vers 10) bestimmt. Das überrascht, denn kein Jude hätte sich als „Feind Gottes“ bezeichnen können. Und auch Menschen, die dem christlichen Glauben eher distanziert gegenüberstehen, werden in Gott nur selten einen Feind sehen; eher lassen sie „den lieben Gott da oben einen guten Mann sein“. Doch durch die Sünde ist bei allen Menschen die Gottesbeziehung gestört, ja vergiftet.
Ganz tief sitzen in uns allen Misstrauen, Angst und Argwohn Gott gegenüber. Darum bedeutet das Sterben Jesu am Kreuz mehr als ein bloßes Urteil, das uns einen unverhofften Freispruch beschert. Mit juristischer Begrifflichkeit allein lässt sich die Bedeutung der Passion Jesu nicht erfassen. Was Jesus für uns tat, setzt zugleich einen Heilungsprozess in Gang. Die Entfremdung des Menschen von Gott wird überwunden und Versöhnung und Vertrauen treten an die Stelle von Misstrauen und Angst. Wir erkennen in Gott unsern liebenden Vater, der für uns sorgt und uns nicht im Stich lässt.
Als Versöhnte spiegelt unser Leben die erfahrene Barmherzigkeit wider. Denn dass die Liebe Gottes in unsere Herzen ausgegossen ist (Vers 5), bedeutet, dass wir die empfangene Liebe an andere weiterverschenken. Wer in Frieden mit Gott lebt, wird sich nicht mehr mit unversöhnlichen Beziehungen zu andern Menschen abfinden.
Schließlich hat der neu gewonnene Frieden mit Gott auch Auswirkungen im künftigen Gericht Gottes. Noch einmal spricht Paulus vom Zorn Gottes (Vers 9) – und spielt damit auf jenes Gericht an, in dem die Glut göttlichen Zorns alles Böse verzehren wird. Christen brauchen diesen Tag nicht mehr zu fürchten, denn Jesus wird sie als ihr Fürsprecher vor den Folgen des Zorns bewahren.
Klaus Jürgen Diehl

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