Ehre sei Gott in der Tiefe
„Ich kann mit deinem Glauben nichts anfangen“, sagte er ganz offen. Ich fragte nach dem Grund und er antwortete, es sei ihm alles zu groß und zu fern und geradezu gespenstisch, was er in einigen Abschnitten und Worten der Bibel gelesen habe. „Ich bin doch nur ein winziges Staubpartikelchen am äußersten Rand der Kruste dieses Erdballs“, sagte er wörtlich, „und um mich soll sich ein Gott kümmern?“ Das sei doch wohl etwas zu viel verlangt von dem Gott, an den die Christen glauben, so wichtig wolle er sich nicht nehmen. Es waren die gewaltigen Bilder vom Himmel und dem Thronsaal des Höchsten und vieles mehr, was ihn offenbar niederdrückte. Irgendwie hatte er wohl auch Angst vor dieser für ihn fremden Welt des Glaubens. Wir hatten ein langes Gespräch bis in die Nacht. Als wir uns verabschiedeten, waren wir Freunde geworden. Nein, er war noch nicht „gläubig“ wie man es zu nennen pflegt, doch er wolle über alles nachdenken und wir könnten ja dann noch mal miteinander reden.
Ich habe dem sympathischen jungen Mann von dem einen Gott erzählt, zu dem sich die Christen bekennen. Vom „heruntergekommenen Gott“ habe ich ihm erzählt, vom „Karrierebruch“ des Sohnes Gottes, der es nach einem uralten Gemeindelied der frühen Christen „nicht für einen Raub hielt, Gott gleich zu sein.“ Er war bereit zum Verzicht, so der alte Song, den der Apostel Paulus zitiert – und gab seine himmlische Herrlichkeit preis, um nach ganz unten zu wechseln. Er nahm die Gestalt eines Sklaven an, tiefer ging es nicht und wurde ein Mensch wie wir. Schließlich ließ er sich am Kreuz hinrichten, um alles auf sich zu ziehen, was uns von Gott trennt. (Philipper 2, 6 – 11) So also kam er zur Welt. In die weiten Flächen, in die Schluchten und Abstürze, zu denen, die zum Horizont schauen, ob irgendwo noch das wahre Leben ist.
Ehre sei Gott in der Tiefe. Der zu uns herunter gekommene Gott. Das ist die verrückteste Religion, die man sich denken kann. Keiner hätte sie erfinden können. Eigentlich das glatte Gegenteil einer Religion, die etwas auf sich hält. Ja, so ist es. Wir unterwerfen uns keiner Religion und ihren Gesetzen, wir vertrauen mit allen Konsequenzen auf Jesus, durch den Gott zu uns in die Tiefe der Welt und auf die Ebene unseres Lebens kam. Jesus war kein Religionsgründer. Andere haben aus der Christenheit wie Luther sie nannte, eine Religion Christentum gemacht. Er hält das Leben seiner Nachfolger in der Spur. Doch er ist kein Privatgott für besonders fromme Leute, sondern einer für alle Menschen und vor allem für Menschen, die immer mehr begreifen, dass sie genau diesen Gott brauchen.
Damit darf diese elende Gottesangst zu Ende sein, die selbst Atheisten in den Knochen steckt. Genau so aber auch bei superfrommen Leuten, die sich eine solide religiöse Neurose geholt haben. Immer mehr, immer besser, immer noch gläubiger sagen sie und verkrümmen sich in sich selbst - wie der alte Luther sagte. Sie gehören zur Gattung der „religiös Behinderten“ wie ich sie nenne. Es gibt zu viele von ihnen. Auch sie lässt Gott nicht los. Christus befreit uns vom Krampf der Religiosität. Wir können ihm völlig vertrauen.
Die Geschichte dieses „Sklavengottes“ geht weiter. Einst werden sich alle Knie vor ihm beugen und alle werden bekennen, dass er Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters. Fangen wir doch hier schon mal an. Generalprobe. Gott ist da – ganz nah.
Johannes Hansen
Dieser Text ist dem Buch entnommen:
 Johannes Hansen Gott ist da - ganz nah. gott.net-Kolumnen
das demnächst im Hänssler-Verlag erscheinen wird. Wir werden bei Erscheinen darauf hinweisen.

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