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Christi
Passion 2007

 

Es wird in unserer Welt millionenfach getötet, gemordet, hingerichtet. In den wenigen Augenblicken der Lektüre dieses Textes sterben gewiss irgendwo Frauen und Männer und Kinder durch die mörderische Gewalt von Waffen. Vielleicht geht gerade jetzt in Bagdad die Bombe eines Terroristen hoch und wieder sehen wir abends im TV, wie das Blut von der Straße gefegt wird.

 

Warum also so viel Aufwand wegen des Sterbens des Jesus von Nazareth vor 2000 Jahren draußen vor der Stadt Jerusalem? So mag der distanzierte Zeitgenosse fragen. Was sein gutes Recht ist. Es ist ja durchaus kein locker einzuordnendes Ereignis.

 

Es war ein entsetzliches Sterben. Die Christen und Kirchen auf dieser Erde haben das Leiden ihres „Herrn Jesus Christus“ immer neu meditiert. Die Kunst hat dazu entscheidend beigetragen. Man denke nur an den Altar des Matthias Grünewald. Niemand sollte das körperliche Leiden des Gekreuzigten mindern wollen. Die Schilderungen des Sterbens Jesu in den vier Evangelien zeigen wie es war. Doch vor ihm und nach ihm sind noch viele am Kreuz hingerichtet worden. Auch sie haben furchtbar gelitten. Bis zum heutigen Tag werden immer neue Mordinstrumente eingesetzt. Aktuell sind es die Selbstmordterroristen, die schutzlose Passanten mit in den Tod reißen. Die zerrissenen Körper der Täter und Opfer liegen auf den Straßen. Das körperliche Leiden Christi gehört voll mit in diese Leidensgeschichte der Menschheit.

 

Folgendes ist bemerkenswert. Die Entstehung von Gemälden und Skulpturen des gekreuzigten Jesus Christus datiert die Forschung erst auf das Ende des ersten Jahrtausends. Vorher gab es schon andere Symbole wie etwa den Fisch, doch das Kreuz als Heilszeichen konnte damals kaum als Gemälde vermittelt werden. Zu „verrückt“ war diese Vorstellung in einer Zeit, als die Kreuzigung noch zu den Hinrichtungsarten gehörte. (Man stelle sich einen elektrischen Stuhl auf den Altären der heutigen Kirchen vor.) Ein Gekreuzigter als Zeugnis des Heils Gottes für alle Welt? Eine unglaubliche Provokation und doch die Heilsbotschaft für alle Menschen. So tief also saßen und stecken wir in unseren Knechtschaften, aber so tief auch stieg Christus in die Katastrophe unserer Verlorenheit ein, um uns in die Freiheit zu holen.

 

Das Sterben Jesu hat eine Dimension, die alles andere überragt. Er hat sich gewiss mit den leidenden Menschen solidarisiert, doch die Nachricht von der Liebe Gottes in den Evangelien und Briefen des Neuen Testamentes verkündet, dass Jesu Sterben die ganze Welt in eine völlig neue Dimension beförderte. Paulus bringt es auf den Punkt: „Er hat auch seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern hat ihn für uns alle (an das Kreuz) dahingegeben, wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken.“ (Römer 8, 32) Das ist die Summe.

 

Im Vordergrund steht nicht die Prozedur der Hinrichtung, auch die geschilderten Umstände nicht. Das große „Für uns“ soll uns frei machen. „Für uns“, „für alle“, „für dich“, „für mich“. Das ist die Message seit damals und bis heute im Jahre 2007. Das Evangelium der Passion Christi. Muss man am Karfreitag traurig sein? Muss man? Ein jeder denke dem nach. „Wer glaubt, wird selig“ heißt es lapidar nicht nur im Volksmund, der hat es aus der Bibel. An Jesus Christus glauben ist jetzt dran. Das heißt nicht nur, einen Sachverhalt zur Kenntnis zu nehmen, sondern tiefes Vertrauen und ein sich Gott anvertrauen. Dieter Kürten, der Sportjournalist, antwortete mir bei einem Bühnen-Interview auf die Frage, wo sein liebster Platz in der Kirche sei. „Unter dem Kreuz“, seine spontane Antwort. Das war nicht technisch gemeint, sondern tief spirituell. „Komm zum Kreuz mit deinen Lasten“ singt ein altes englisches Gospellied. So wird auch der Karfreitag ein fröhlicher Tag.

 

Eine nur scheinbar kleine Notiz aus dem Ganzen der Passionsbotschaft sollte nicht vergessen werden. Sie kann sehr zum Verstehen und zur Erfahrung des Glaubens helfen. Jesus starb auf Golgatha. Diese Hinrichtungsstätte lag außerhalb der Stadtmauern der heiligen Stadt. Diese sollte mit Tötungen nicht beschmutzt werden. Der Hebräerbrief des Neuen Testamentes hat diese Tatsache aufgegriffen und gedeutet. „Jesus hat gelitten draußen vor dem Tor.“ (Kapitel 13, 13) Also für alle, die nicht „ins Heilige“ passen. Für alle, die „draußen vor“ sind, die sich „draußen vor“ fühlen, weil sie nicht glauben können. Auch für uns alle, die wir uns selbst durch unsere Schuld nach „draußen vor“ befördert haben. Christus ist „draußen vor dem Tor“ für uns gestorben. Wer an ihn glaubt, ist wieder mit Gott in Ordnung gebracht. Durch Gott selbst. Nun lasst uns „zu ihm hinausgehen“ vor das Tor und uns offen ihm bekennen. Dort, wo wir leben. Auch 2007.

 

 

Johannes Hansen




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