Gemeinde als lebendiger Organismus
1. Korinther 12,12-31
Durch die Bibel hindurch werden das Volk Gottes bzw. die Gemeinde in immer neuen Bildern und Vergleichen beschrieben: Als Weinberg Gottes, als Herde Christi, als Hochzeitsgesellschaft oder als Haus der lebendigen Steine. Auch Paulus verdeutlicht in seinen Briefen das Wesen der christlichen Gemeinde an einem Bild. Genau genommen ist es sogar mehr als ein Bild: Die christliche Gemeinde ist für ihn der unsichtbare Leib Christi – real gegenwärtig da, wo Christen in seinem Namen zusammen sind und zugleich als ihr Haupt als ihr Gegenüber von ihnen geschieden (was das Bild allerdings sprengt). Vor allem in 1. Korinther 12 und Epheser 4 macht Paulus grundlegende Aussagen zum Wesen bzw. zur Bestimmung der christlichen Gemeinde. In unserem Text stellt er dabei besonders folgende Aspekte heraus:
Als lebendiger Organismus ist die Gemeinde eine Einheit, trotz aller Verschiedenheit ihrer Glieder bzw. Organe. Ja, diese Vielfalt und Verschiedenheit ist geradezu ihr charakteristisches Merkmal – unter der Voraussetzung, dass die Glieder um ihre wechselseitige Ergänzungsbedürftigkeit wissen und weder die andern dominieren, noch sich für überflüssig halten. In den Versen 15-21 finden wir den etwas merkwürdig erscheinenden Dialog zwischen verschiedenen Gliedern. Doch die darin enthaltene Botschaft ist klar. Angesichts mancher Spannungen in der Gemeinde von Korinth, die durch persönlichen Ehrgeiz und Konkurrenzdenken noch verschärft wurden, hebt Paulus hervor: Die Verschiedenheit unterschiedlicher Gaben und Fähigkeiten ist gerade der Reichtum einer Gemeinde. Niemand soll sich selbst zum Maßstab für andere machen und glauben, er sei unersetzlich. Niemand soll aber auch neidisch auf andere schielen und sich schließlich für überflüssig halten, weil er eher unauffällig im Hintergrund mitarbeitet. Zum Aufbau bzw. Wachstum einer Gemeinde braucht es den Fuß ebenso wie das Auge.
Jeder ist vor Gott ein unverwechselbares Original. Darum haben in der Gemeinde weder Uniformität noch Starkult ein Recht. Paulus spitzt seine Aussagen noch zu, indem er geradezu provozierend formuliert: Die Glieder, die uns die schwächsten zu sein scheinen, sind die nötigsten (Vers 22). Wie sie sich gegenüber den schwächsten Gliedern – Behinderten, Alkoholikern, Depressiven, Geistesverwirrten, Straffälligen... – verhält, wird zur Bewährungsprobe einer Gemeinde. Gerade weil ihr Jesus in der Gestalt des geringsten Bruders (vgl. Matthäus 25,31-46) begegnet, braucht eine Gemeinde liebevolle Beziehung zu den Schwachen, will sie Jesus nicht aus ihrer Mitte vertreiben.
Klaus Jürgen Diehl 
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