"Sein Gewissen war rein, er benutzte es nie."
Welche Inhalte und Motive bestimmen ganz konkret unser Gewissen? Wer sind die heimlichen Erzieher? Das Gewissen lebt von Gedanken und Erfahrungen, die von außen in uns einströmen. Die Familie, die Erziehung, die Schulen, die Umwelt, die jeweilige Kultur und der Zeitgeist spielen dabei wichtige Rollen.
Wie wird das Gewissen in guter Ordnung gehalten? Also wach gehalten, trainiert, gebildet und alltagstauglich gehalten? In Kurzfassung einige Hinweise. Auf der persönlichen Ebene sind es die Eltern, die Geschwister und andere für uns wichtige Menschen, die unserem Denken und Fühlen Prägungen geben, die uns im Leben helfen. Auch eine humane Kultur, in der die Würde des Menschen betont und geachtet wird, gibt unserm Gewissen Grundlagen. "Die Würde des Menschen ist unantastbar" heißt es ganz am Anfang des Grundgesetzes unserer Republik. Der Satz gilt auch für einen Verbrecher, der im Zuchthaus sitzt. So radikal wird hier das Gewissen geschärft.
Christen verstehen die Zehn Gebote als die Befreiungsbotschaft der Bibel, nicht als einen Knebelvertrag mit Gott. Ich empfehle die Lektüre der Bergpredigt, sie steht in den Kapiteln 5 bis 7 des Matthäusevangeliums. In 20 intensiven Minuten zu lesen, Wort für Wort, ein Leben lang zu studieren, Schritt für Schritt. Wer dazu die Jesusgeschichten des Neuen Testamentes liest, wird viel für die Klärung unseres Themas erfahren. " Was würde Jesus jetzt tun?" Was würde er sagen? hat einen moralischen Ton, „was würde er tun?“ ist auf die Lebenspraxis bezogen. Um Klarheit beten, auch das tut dem Gewissen gut.
Doch so überschreiten wir längst den Bereich des Gewissensbegriffs. Jetzt geht es um den Glauben, den die Christenheit bekennt. "Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht in der Finsternis bleiben, sondern das Licht des Lebens haben." (Johannes Ev. 8, 12) Das hat Jesus versprochen. Mit der ganzen Existenz an Christus orientiert sein, ist mehr als alle Definitionen des Gewissens. Wer die Bibel liest, erlebt so etwas wie den großen Hausputz in seinem Denken und Fühlen. Da werden die Fenster aufgerissen, Luft und Licht fluten durch das Haus. Wir vernehmen die Wahrheit durch das Wort Gottes und den Geist Gottes. Vernunft kommt von ver-nehmen. Der Glaube der Christen ist seinem Wesen nach ein vernünftiger Glaube.
Und wenn jemand doch scheitert und sein Gewissen ihn verklagt? Dann muss er nicht verzweifeln und alles hinschmeißen. Im Glauben an Christus flieht ein Mensch hin zu dem; der „alles getragen“ hat. „Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt.“ Nachzulesen wieder im Römerbrief (8, 34), dem stärksten Brief, den ich in meinem Leben gelesen habe. Der nachhaltigste Text für die ganze Christenheit auf der Welt. Dort stehen die Kernwahrheiten des Glaubens wie die dicken Polder an der Kaimauer des Hafens. Man kann sich mit dicken Seilen an ihnen festmachen. Und dann auch wieder über die Meere fahren.
Johannes Hansen

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