Unbenanntes Dokument


Eine
therapeutische
Frage. O
der:

Willst du
gesund werden?

 

 

Jesus am Teich Betesda in Jerusalem. Dort waren fünf Säulenhallen um einen Doppelteich herum gebaut. In diesen Hallen lagen viele Kranke mit den verschiedensten Krankheiten. Das Elendsasyl von Jerusalem. Viele der Kranken wurden von den Familien dorthin abgeschoben. Angehörige und barmherzige Leute versorgten sie  hier und da ein wenig. Diakonie, Charitee, Rotes Kreuz gab es dort nicht. Im Teich Betesda vermutete man eine Heilquelle. Ob das nun stimmte oder auch nicht, es war die große Hoffnung im Elendsquartier. Die Quelle sprudelte nur ein paar Mal im Jahr heftig auf. Wer immer noch sich bewegen konnte, stürzte in Richtung Quelle. Immer ein Kampf um die ersten Plätze. Nur die Stärksten hatten eine Chance. Und schon war die Quelle wieder alle. Jahr um Jahr war es so.

 

Jesus ging offenbar ganz still an diesen Teich und sah die Menschen mit seinen  wissenden Augen an. Da sah er den schwersten Fall von Betesda. Ein Mann, der dort bereits 38 Jahre gelähmt auf der Matte lag. Ein medizinisch hoffnungsloser Fall. Auch sozial aussortiert. Kein Mensch half ihm und nie hatte er die geringste Chance an die Quelle zu kommen. Ein vor sich hin sterbender Mensch, der nur noch seinen Tod vor sich sah. Chancenlos, total allein, vom Schicksal ausgeblendet, einfach down, out und alle.

 

Und nun der völlig überraschende Augenblick. Die große Wende seines Lebens. Jesus fragt ihn: „Willst du gesund werden?“ Es muss wie ein Schock für ihn gewesen sein. Wer stellt denn mir solche Frage? „Ich habe keinen Menschen, der mir in die Quelle hilft“, klagt er. Aber Jesus spricht sein heilendes Machtwort: „Stehe auf. Nimm deine Matte. Und geh!“ Und der Mann steht auf, nimmt seine Lumpen unter den Arm und geht hinaus ins Leben, in die Freiheit, zu einem neuen Leben mitten im Leben.

 

Die Geschichte von vor 2000 Jahren ist höchst aktuell. Sie findet heute unter uns und in uns statt. Auch bei uns liegen viele irgendwo auf einer Matte herum und kommen nicht weiter. Auf der Matte der Resignation, der Aussichtslosigkeit, der geplatzten Lebensträume. Sie liegen sich wund und platt. Nichts geht mehr. Gescheiterte Ehen, kaputte Beziehungen, ein verlorener Glaube. Nichts davon ist erfunden, es gibt noch tausendmal mehr Schicksale. Von Millionen Matten kommen die Klagen: „Ich habe keinen Menschen, der mir hilft.“ Dabei machen wir immer noch cheese und keep smiling für die Augen rundherum. Nur nichts von sich preisgeben. Nur nicht sein Gesicht verlieren. Immer angepasst sein, nicht anecken, irgendwie immer noch die Kurve kriegen. Ob in der Firma, der Schule, in der Disko oder in der Kirche. Ja, auch in den Kirchen liegen sie auf Matten herum wie der Mann am Teich Betesda.

 

Willst du gesund werden? heißt für uns: Willst du zurechtkommen, oder tust du nur so?  Kann ich dir endlich helfen? Kann ich dich von Belastungen befreien? Willst du wieder zurück zu Gott? Soll ich dir einen neuen Anfang schaffen? So fragt Jesus durch seinen Geist in unsere Herzen hinein. Jesus, „der Mensch für alle Menschen“, so nannte ihn Dietrich Bonhoeffer, steht vor uns und sagt. Steh auf, komm hoch von deiner Matte, fang noch mal ganz neu an. Durch den Menschen für alle Menschen finden wir auch Menschen, die uns zurechthelfen, die mit uns und für uns beten. Dazu gehören auch Seelsorger, Priester und Pastoren, Psychologen, Ärzte und Sozialarbeiter/innen. Oder einfach Freunde und Freundinnen, die in unserer Nähe sind.

 

 

 

Johannes Hansen




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