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Kleiderwechsel

Kolosser 3,1-17

 

 

Menschen in erstaunlicher Zahl kamen in frühchristlicher Zeit durch das Wirken der Apostel und Missionare zum Glauben an Jesus Christus und schlossen sich der christlichen Gemeinde an. Als Zeichen ihrer Zugehörigkeit zu Christus und seiner Gemeinde ließen sie sich taufen und der Heilige Geist nahm Wohnung in ihnen. Man kann fragen: Was änderte sich dadurch praktisch in ihrem Leben? Wurden sie automatisch bessere Menschen: sittlich gefestigt, ethisch vorbildlich? Manche moralischen Verfehlungen vom handfesten Streit bis hin zu sexueller Verfehlung zeigen, dass es nicht so war. In der urchristlichen Taufliturgie wurde die Neuwerdung des Menschen symbolisch erfahren. Vor dem eigentlichen Taufvorgang entledigte sich der Täufling seiner alten Kleider als Zeichen des Abschieds vom bisherigen Leben. Indem er anschließend vollständig im Tauchbecken (manchmal waren es auch ein Fluss oder ein See) untergetaucht wurde, bekannte der Täufling, dass damit der alte Mensch gestorben war und ein neuer, verwandelter der Taufe entstieg (vgl. Römer 6,3.4). Zum Zeichen des neuen Lebens in Christus wurde ihm daraufhin das weiße Taufgewand angezogen. An diesen symbolischen Kleiderwechsel der Taufe erinnern verschiedene Passagen in den neutestamentlichen Briefen – wie auch unser Text. Sie zeigen, dass der Kleiderwechsel keineswegs mit der Taufe abgeschlossen ist, sondern im übertragenen Sinn immer wieder neu vollzogen werden muss. Ihr habt den alten Menschen mit seinen Werken ausgezogen (nämlich bei der Taufe), heißt es da etwa (Vers 9), um im gleichen Atemzug fast zu fordern: Nun legt aber alles ab von euch: Zorn, Grimm, Bosheit, Lästerung, schandbare Worte aus eurem Munde... (Vers 8). Es gehört Anstrengung und Mühe dazu, sein Leben so zu führen, dass Gott Gefallen daran hat und dem Nächsten dadurch geholfen wird.

 

Darum genügt es nicht, nur schlechte Gewohnheiten wie ein unpassend gewordenes Kleidungsstück abzulegen, sondern neue, an Christus orientierte Verhaltensweisen einzuüben. Darum folgt auf das Ausziehen das Anziehen: So zieht nun an ... herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld... (Vers 12). Solche Mahnungen beherzigen zu können, setzt allerdings voraus, dass sich Christen die Kraft dazu von Jesus Christus schenken lassen und bereit sind, sich der Korrektur anderer Christen auszusetzen.

 

 

Klaus Jürgen Diehl




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