Humor ist,
wenn man
trotzdem lacht.
Von Karl Valentin (1882 – 1948), dem berühmten bayerischen Schriftsteller, Schauspieler und Komödianten stammt der Satz: „Der Optimist ist ein Mensch, der die Dinge nicht so tragisch nimmt, wie sie sind.“ Wenn man sich dazu noch die hagere Gestalt des Valentin und seinen stolpernden Stil des Vortrags auf der Kabarettbühne vorstellt, spürt man, wie gescheit Valentins Humor war. Er hatte einen „dialektischen Humor“, kann man in einem klugen Buch lesen. Seine Wirkung kam nicht aus peinlichen Witzen, sondern er war auch mutig. Die Nazis hatten 1933 bereits die Regierung gebildet, Hitler war der Reichspräsident und vor allem „der Führer“. Schon begann die Tätigkeit des Geheimdienstes gegen die Kritiker des Systems. Karl Valentin kam mit einem Koffer auf die Bühne und erklärte, da sei die ganze Reichsregierung drin. „Aufmachen, aufmachen“ rief das Publikum immer lauter. Bei seinem typischen Körperzucken und der sich ständig wandelnden Mimik, öffnete er endlich den Koffer und zog ohne weitere Worte einen großen Lumpen nach dem anderen aus dem Koffer und ließ ihn auf die Bühnenbretter fallen. Die ganze Reichsregierung also. Selbst diese konnte sich die Verhaftung des so beliebten Komödianten nicht leisten, es hätte eine Empörung ausgelöst. So schlängelte sich der Komiker durch die Nazizeit, gewiss auch mit Raffinesse. Doch war er nun verstärkt den Intrigen der Behörden ausgesetzt. Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Der Humor kann eine unblutige, doch wirkungsvolle Waffe des Widerstandes sein. In jeder Diktatur gibt es den politischen Witz als Ventil des Zorns. „Heil…, heil…, heil…“ sagte Valentin einmal beim Betreten der Bühne, „ja, wie heißt er denn nur? Ich kann mir einfach den Namen nicht merken.“ Und das in einer Zeit, in der der Gruß „Heil Hitler“ mit erhobenem oder leicht angehobenem rechten Arm geradezu befohlen war. Tapfere Leute antworteten schon mal mit einem „Guten Tag“, doch das war bereits gefährlich.
Als endlich der Krieg zu Ende war und in München die Karnevalswagen wieder rollten, bat man Karl Valentin, er solle doch auch einen Wagen vorbereiten. Das tat er und kam nach allen stattlich geschmückten großen und von Pferden gezogenen Wagen mit einem von ihm gezogenen kleinen Holzwagen hinterher gefahren. Auf diesem lag lauter Gerümpel und im Gerümpel stand eine Stange mit dem Schild: „Bin nicht fertig geworden.“ Das Volk feierte ihn.
Ich finde, dass der Glaube an Gott voller Humor sein kann. Er dürfte sogar der Motor eines ganz eigenen Humors sein. Ganz ähnlich dem des Karl Valentin. Wer seine Endlichkeit begriffen hat und seine Schwächen und Fehler kennt, sich aber dennoch von Gott geliebt weiß, der hat viel zu lachen. Vor allem über sich selbst und auch mal über die Christenheit mit ihren Macken und Wunderlichkeiten. Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Das funktioniert nun wirklich. Der trotzige Humor des Glaubens kommt in einem großen Choral der Kirche vor: „Trotz dem alten Drachen, Trotz dem Todesrachen, Trotz der Furcht dazu. Ich steh hier und singe in gar sichrer Ruh.“
Johannes Hansen 
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