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Die Hoffnung festhalten

 

Christen leben „zwischen den Zeiten": Sie kommen von der Auferstehung Jesu her und leben auf seine Wiederkunft hin. Die Zeit dazwischen ist bestimmt durch die Mission, zu der Jesus beim Abschied seine Jünger beauftragt hatte.

 

Viele Christen der ersten Stunde waren zutiefst davon überzeugt, dass sie die glanzvolle Rückkehr ihres Herrn und den Erweis seiner Macht vor aller Welt noch zu ihren Lebzeiten miterleben würden. Dabei hatte Jesus ausdrücklich alle Spekulationen über den Termin seiner Rückkehr verboten (vgl. Matthäus 24,36). Dennoch lebten sie in der glühenden Erwartung seiner baldigen Wiederkunft. Selbst der Apostel Paulus rechnet zu Beginn seiner missionarischen Wirksamkeit fest damit, die Wiederkunft Jesu selbst noch mitzuerleben (1. Thessalonicher 4,15). Doch die ersehnte und erhoffte Rückkehr des Auferstandenen mit den Wolken des Himmels, wie er es selbst vorausgesagt hatte (Markus 14,62), bleibt aus. Theologen sprechen in diesem Zusammenhang vom Problem der „Parusieverzögerung" (Parusie = Ankunft). Wie hat die Gemeinde dieses Problem bewältigt?

 

Sie hat jedenfalls nicht die Hoffnung auf den wiederkommenden Christus und die Vollendung seines Reiches aufgegeben. Unbeirrt hält sie daran fest, dem Anbruch des Tages Jesu Christi und der endgültigen Durchsetzung seiner Herrschaft entgegenzugehen. Seelsorgerlich geht sie auf alle ein, die an diesem Ereignis zu zweifeln beginnen. Sie erklärt z. B. das Ausbleiben der Wiederkunft Jesu damit, dass Gottes Uhren eben anders gehen und im übrigen jeder Tag bis zur Wiederkunft Jesu ein Tag der Mission ist, an dem Menschen aus der Verlorenheit gerettet werden sollen (2. Petrus 3,8.9). Zugleich werden die Christen zur Nüchternheit und Wachsamkeit angehalten, weil Jesus unerwartet wie ein Dieb in der Nacht (1. Thessalonicher 5,2) plötzlich wiederkommen wird.

 

Es ist auffällig, dass die Gemeinde in Zeiten der Bedrängnis und Verfolgung entschlossen an ihrer Hoffnung festgehalten hat. Das letzte Buch der Bibel, die Offenbarung des Johannes, gibt dafür ein eindrückliches Beispiel. Während die Gemeinde einer staatlich angeordneten Verfolgung unter dem römischen Kaiser Diokletian (81-96 n. Chr.) ausgeliefert ist, lässt sie sich durch die Visionen des Johannes im Glauben stärken. In aller Bedrängnis bleibt sie zuversichtlich, dass Jesus - das Lamm und der Löwe aus dem Stamm Juda - die Mächte der Finsternis endgültig besiegen und durch Gericht und Untergang hindurch einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen wird.

 

 

Klaus Jürgen Diehl

 




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