Unbenanntes Dokument


Und du hältst jetzt den Mund!

Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich, und es trat völlige Stille ein.

Mk 4, 39

 

 

 

 

Den Dämonen fährt er ähnlich übers Maul, er, der die Kinder kommen lässt, die lärmenden Kinder. Es ist nicht das Bedürfnis nach Ruhe. Es ist das bewusste Herstellen von Stille. Möglicherweise gelang es dem Herrn, auch die Kinder zu faszinieren, dass sie mit offenem Mund dastanden und zuhörten. Aber vielleicht blieben sie auch laut, und der Segen Jesu ging im allgemeinen Gelächter fast unter, wer weiß.

 

 

Nun wohne ich in der Großstadt, beschäftige mich mit den Medien, habe »natürlich wahnsinnig viel um die Ohren«. Alle, die mich kennen, sagen, dass ich das brauche. Aber als ich unlängst vor der kleinen Annakapelle in Gspon saß, in der Stille der Berge, war die Stimme deutlicher als im Büro: die Stimme des lebendigen Gottes. Jajaja, sagen sie dann, das geht allen so im Gebirge. Du brauchst nur ein bisschen Ruhe und frische Luft.

 

 

Aber ich denke, die kleine Szene, wo der Sturm still wird, ist kein Naturerlebnis. Mein Büro in Stuttgart ist nicht verhängnisvoller als der Raum, wo der geneigte Leser dies bedenkt. Und ich wollte, der Herr brächte für einige Minuten unsere Stürme und Teufel zum Schweigen.

 

 

 

 

Michael Graff

 




© Nachdruck und Veröffentlichung nicht gestattet. Nur zum persönlichen Gebrauch.
gott.net e. V., Am Denkmal 2, 48249 Dülmen Tel.: 02590-915 810
E-Mail: info@gott.net, Internet: www.gott.net
Spendenkonto: Nr. 88080 bei der KD-Bank Dortmund (BLZ 350 601 90).