Wartezeit
2. Petrus 3,8-14
Der 2. Petrusbrief ist einer der jüngsten Texte der Bibel. Zahlreiche Christen sind mittlerweile verstorben, ohne dass die erhoffte Wiederkunft Jesu eingetroffen wäre. Offen wird es in den Gemeinden angesprochen: „Warum zieht sich das Kommen Jesu nur so lange hin? Was hält ihn auf?“ Der 2. Petrusbrief versucht in unserem Text eine Antwort darauf zu geben. Sein erster Hinweis: Gott hat ein anderes Zeitverständnis als wir Menschen. Was uns als lang erscheint, ist für ihn kurz wie ein Wimpernschlag. Die Aussage, dass Jesus bald wiederkommt, kann aus der Perspektive Gottes bedeuten, dass darüber noch Jahrhunderte vergehen können. Die andere Überlegung ist: Gott hat den Termin der Wiederkunft Jesu hinausgeschoben, weil er vielen Menschen noch die Chance zur Umkehr geben möchte. Diese Feststellung kann für die wartende Gemeinde in der Konsequenz nur bedeuten: Legt nur ja nicht die Hände in den Schoß! Nutzt die euch verbleibende Zeit für die missionarische Verkündigung! Ladet Menschen zur Umkehr und zum Glauben an Jesus ein! Auf diese Weise könnt ihr womöglich den Zeitpunkt der Wiederkunft Jesu beschleunigen!
Dennoch bleibt es dabei: Wann der Tag des Herrn kommt, kann kein Mensch wissen. Darum heißt es: Wach sein, denn Jesus kommt unerwartet wie ein Einbrecher. Lebendige christliche Hoffnung ist darum immer Naherwartung. Dass solche Erwartung weder schwärmerisch noch passiv sein lässt, beweist das Lebenszeugnis von Menschen, die von dem baldigen Kommen Jesu überzeugt waren: Johann Christoph Blumhardt etwa - oder Friedrich von Bodelschwingh. Es war gerade ihre sehnsüchtige Erwartung eines neuen Himmels und einer neuen Erde (Vers 13), die sie unermüdlich zum Wohle anderer Menschen tätig sein ließ.
Klaus Jürgen Diehl

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