In letzter Instanz
Offenbarung 20,11-15
Auf die Insel Patmos in der Ägäis verbannt, werden dem Apostel Johannes eine Reihe überwältigender Visionen zuteil, durch die Gott seinem alt gewordenen Diener den Durchblick auf das Ziel der Geschichte schenkt. Nachdem Gott in einer letzten dramatischen Auseinandersetzung Satan und seine Verbündeten endgültig besiegt und vernichtet hat, naht der Moment des großen Gerichts. Während Himmel und Erde sich bereits vor dem gewaltigen Thron Gottes verflüchtigen, versammelt sich die Menschheit aller Zeiten, um von Gott ihr gerechtes Urteil zu empfangen.
Es ist Buch geführt worden über das Leben der Menschen: offenbar buchhalterisch sorgfältig und genau wird abgerechnet. Doch bei den einen werden ihre Taten und Versäumnisse, das Gute und das Schlechte, gar nicht gegeneinander aufgewogen. Offenbar zählt bei ihnen nur, dass ihr Name im Buch des Lebens (siehe) verzeichnet ist. Das Minus ihres Lebens ist allein dadurch in ein Plus verwandelt.
Die andern hingegen werden nach ihren Taten beurteilt und sind ohne Chance, auf diese Weise in letzter Instanz vor Gott zu bestehen. Die unerbittliche Konsequenz: „Und wenn jemand nicht gefunden wurde, geschrieben in dem Buch des Lebens, der wurde geworfen in den feurigen Pfuhl“ (Vers 15).
Die Offenbarung des Johannes lässt also keinen Zweifel an dem doppelten Ausgang der Weltgeschichte. Ist das nicht ungerecht? Was haben die Geretteten denn den Verdammten voraus? Sind sie die besseren Menschen, die mit ihren guten Werken Gott im Gericht gnädig stimmen können? Eben nicht. Dass ihr Name im Buch des Lebens steht, ist nicht ihr Verdienst, sondern das eines anderen. Der starb für die Schuld aller Menschen am Kreuz und wirbt durch sein Evangelium darum, ihm zu vertrauen und das an ihm vollstreckte Todesurteil anzunehmen. Wo das geschieht, freuen sich bis heute die Engel im Himmel über jeden neuen Namen im Buch des Lebens.
Klaus Jürgen Diehl

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