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„Ich glaube nur,
  was ich sehe!“

 

 

 

Toll, der Mann hat doch eine Überzeugung. Es gibt heute so wenige, die es noch wagen, ihre Überzeugung zu zeigen. Nicht nur am Stammtisch, sondern auch bei Aldi in der langen Schlange, oder in der Frühstückspause im Betrieb. Da zeigt der Geist doch noch Muskeln.

 

 

Doch der starke Mann wird einig sein, dass man Rückfragen stellen muss. Du riechst den zarten Duft des Parfums deiner Freundin, das Rasierwasser deines Freundes, du siehst es nicht, doch es vermittelt dir einen Gruß von ihr, von ihm. Aus dem offenen Fenster des Nachbarhauses fliegen wunderbare Töne zu dir auf den Balkon, ob nun von Johann Sebastian Bach oder Louis Armstrong, du siehst sie nicht, doch rühren sie dich tief innen an, die Töne. Wir haben ein großes Repertoire von Sinnesempfindungen. Die Haut ist unser größtes Sinnesorgan. Liebende wissen es. Wer den geliebten Menschen küsst, oder durch ihn geküsst wird, weiß wie auch so Kommunikation geschieht.

 

 

Ich sitze in einer Kirche. Die Orgel spielt und begleitet die Choräle und die neueren Lieder der Gemeinde. Ich bin mit allen Sinnen dabei. Der Pastor liest eine Geschichte aus dem Evangelium und ich höre nicht nur einen Pastor reden, sondern ein Hauch der Liebe hat mich berührt. Gott redet zu mir, der Geist Gottes transportiert die 2000 Jahre alte Geschichte so tief in mich hinein,  als sei sie gerade geschehen. Und nun geschieht sie auf sehr persönliche Weise auch an mir. Ich werde geheilt von meinen blinden Augen, von meinem verschlossenen Verstand. Ich glaube also, weil ich höre. Gott kommt durch die Ohren ins Herz und in den Verstand. Ich höre und sehe alles ganz neu.

 

 

Simon fuhr mitten am Tag hinaus auf den See um mit seinen Männern Fische zu fangen. Jesus hatte ihm gesagt: „Fahrt hinaus und werft eure Netze aus.“ Der Fischer Simon sagte ganz ehrlich: „Wir haben die ganze Nacht  gearbeitet und keinen Fisch gefangen, aber auf dein Wort will ich es tun.“ Alle um den See herum schüttelten die Köpfe, denn in der Mitte des Tages fängt man im See Genezareth keine Fische. Dann aber waren die Netze total voll, man konnte sie kaum noch ins Boot holen. Das war die Stunde, in der aus dem Fischer Simon der Apostel Petrus wurde. Die Umkehrung seines  ganzen Lebens. Jesus berief ihn zum Menschenfischer und Apostel.

 

 

Ich glaube, weil ich sehe, dass der Glaube Menschen verwandelt. Aus Hassenden werden Friedensmenschen. Aus Zweiflern werden Bekenner. Aus Egoisten werden Liebende. Ich sehe, dass der unsichtbare Glaube in der Liebe zur Energie wird. Was Gott uns zu unserer Befreiung vermitteln will, erreicht uns durch alle Sinne. Wir hören, wir sehen, wir schmecken,  wir fühlen, wir lachen, wir danken Gott und freuen uns. Das Wort kommt durch die Ohren in unseren Verstand und unser Herz. Gemeint ist die Mitte der Existenz.

 

 

Was mich für immer überzeugt hat, ist der am Kreuz angenagelte Mann, über dessen Haupt der spöttische Satz „Der König der Juden“ gehängt war. Nichts kann den Weltenretter Jesus auf seinem Rettungsweg aufhalten. Der Märtyrer Dietrich Bonhoeffer schrieb von Jesus: „Der Mensch für alle Menschen.“ Gekreuzigt und vom Tode auferstanden, damit wir leben können. Entlastet, befreit, erfreut, mit Hoffnung erfüllt. Ich glaube, was ich sehen und hören kann. Und was ich lesen kann. Darum lese ich an jedem Morgen einen Abschnitt aus der Bibel. Das tut gut, richtig gut. Ich rechne dabei mit dem Lebendigen.

 

 

 

 

Johannes Hansen




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