Ohne Entscheidung kann keiner leben.
Jeder von uns trifft an jedem Tag unmessbar viele Entscheidungen. Welche Hose ziehe ich heute an? Welche Bluse passt zu diesem Rock? So fängt der Tag schon mal an. Und so rasen die Herausforderungen zu Entscheidungen wie eine Rakete mit uns durch den Tag. Auto fahren, Briefe schreiben, telefonieren, einkaufen, wir müssen uns einfach ständig entscheiden. Jeder Schritt ist angefüllt mit Entscheidungen. Eigentlich kann man das Denken und das sich Entscheiden nicht voneinander trennen. Es sind Prozesse, die ineinander greifen.
Wir agieren und reagieren nicht wie instinktgesteuerte Tiere, sondern „treffen Entscheidungen“, die wir in unserem Kopf und Gefühl herstellen. Die größeren Entscheidungen erheben schon höhere Ansprüche an unser Denken. Denen wollen wir kurz ein wenig nachgehen, um das Weiterdenken anzuregen.
Entscheidungen sind unausweichlich. Wenn wir keine Klarheit in uns schaffen, entscheiden andere über uns. Zum Beispiel bei Wahlen. Wer nicht wählt, wählt auch. Oder die Natur handelt an uns. Wer ohne Jacke durch den Regen geht, sich nicht unterstellt, wird pudelnass. Doch vielleicht mag er es ja.
Bei wichtigen Entscheidungen sollten wir Hilfe und Beratung in Anspruch nehmen. Freunde und Freundinnen, Ehepartner, Kollegen/innen, sind dafür geeignet, doch in ernsten Fragen auch professionelle Berater, Ärzte, Psychotherapeuten und Seelsorger. Ich kenne viele Menschen, die hier ganz hervorragend helfen können.
In jeder Entscheidung findet eine Scheidung statt. Wir stehen vor einer Wegscheide und müssen uns für einen der beiden Wege entscheiden. Es geht also um Verzicht und Bejahung. Das ist die harte Kante bei Beziehungen, ob in Freundschaften, Ehen, oder auf den Berufswegen. Da kann es Schürfwunden geben, doch ein guter Weg ist mehr wert als tausend Kurven.
Bei wichtigen Entscheidungen geht es meist nicht um uns allein, sondern andere Menschen sind davon mit betroffen. Bei Ehe-Scheidungen kann das Herz bluten. Und das sollte es auch, ehe sich einer/eine für die Scheidung entscheidet. Man kann nicht einfach „Zigaretten holen gehen“ und nicht mehr nach Hause kommen. Dieser Schritt über die Schwelle des bisherigen Lebens muss die Würde der/des Anderen und die Seelennot der Kinder bedenken. Sie bleiben ein Leben lang Kinder von geschiedenen Eltern.
Manche großen Entscheidungen sind vorentschieden. Etwa, wo wir geboren wurden, welche Sprache wir lernten. Wer Mutter und Vater sind oder waren. Ich greife noch höher. Vorentscheidungen, nicht durch das sogenannte Schicksal, das keinerlei Namen hat, sondern durch Gott. Gott ist kein metaphysisches Gespenst jenseits der Sternennebel; er hat sich längst vor uns für uns entschieden. Er liebt dich und mich und alle Geschöpfe auf dieser Erde. „Kommt wieder Menschenkinder!“ ruft er durch die Welt und möchte, dass wir umkehren auf unserem Weg und zu ihm heimkehren. Wir haben uns von ihm geschieden, doch er nie von uns. „Adam, wo bist du?“ So ruft und sucht Gott Adam und Eva im Garten. Sie hatten sich in den Büschen versteckt, er aber holt sie mit seinem Ruf heraus aus dem Versteck. Diese uralte Bildgeschichte redet weiter durch die Jahrtausende. Bis in diese Sekunde. In ihr spricht Gott zu uns. „Mensch, wo bist du?“
Die größte Vorentscheidung heißt: Christus ist die Entscheidung Gottes für uns in Person. „Gott ist keiner, der Ja sagt und Nein meint. Im Gegenteil: er ist durch und durch Ja. Mit Christus sagt Gott Ja zu allen seinen Zusagen.“ (2. Brief des Paulus an die Korinther, Kapitel 1, Verse 19 und 20) Ein großartiges Wort des Paulus, es entspannt uns, wenn wir es meditieren. Hier bewusst in der neueren Übersetzung: „Gute Nachricht“.
Das ist die absolute Grundentscheidung der Liebe Gottes für jeden von uns. Auf diese Aktion kann jetzt die Reaktion von mir und dir kommen. Wir können uns nicht für Gott entscheiden wie wir uns je nach Geldbeutel für ein Auto, einen Fernseher, oder diese oder jene Urlaubsreise entscheiden können. „Der „freie Wille“ ist eine verwirrte Halluzination. Auch unser Wille ist abgestürzt im Abfall von Gott. Wer aus dem 10. Stockwerk in die Tiefe springt, kann sich nicht auf der Höhe des 7. Stockwerks für die Rückkehr entscheiden. Gottes rettende Vorentscheidung durch Jesus Christus ist die Voraussetzung für unsere Heimkehr zu Gott. Er hat sich für uns entschieden. „Wählt das Leben“ hieß das Thema eines Kirchentages vor vielen Jahren. Nun denn. Geben wir doch unser Re auf Gottes Botschaft. „Selig sind, die Heimweh haben, denn sie sollen nach Hause kommen.“ (Jung-Stilling)
Johannes Hansen 
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