Wir haben Prokura
Wir saßen in einem Kreis von Verantwortlichen beisammen, um eine wichtige kirchliche Initiative zu beraten. Man tauschte Argumente und Vorschläge aus. Natürlich war auch der übliche „Bedenkenträger“ dabei, der immer wieder eine Prise Skepsis in den Topf tat. Im Laufe von Stunden kann so etwas echt lästig werden. Als er wieder einmal zu Worte kam, fuhr H. G. dazwischen, ein herrliches Original des lieben Gottes. „Wir haben doch Prokura“ rief er laut in den Raum. Wir haben doch Vollmacht, wollte er sagen, eine Beauftragung von Gott, darum wollen wir jetzt handeln. Nach diesem „Prophetenruf“ war der Knoten geplatzt, wir kamen zu einer guten Entscheidung.
Ein Prokurist wird von einem Eigentümer, oder von einer GmbH mit Vollmachten ausgestattet, die im „Handelsrecht“ geschrieben stehen. Oft ist die Bevollmächtigung erstaunlich weit gefasst, doch den von ihm in Prokura geleiteten Besitz kann er nicht nach Lust und Laune verramschen, oder gar verkaufen. Er soll seinen Beruf sorgfältig und zu Gunsten des Besitzers und mit Fürsorge für die Mitarbeiterschaft wahrnehmen. Darüber muss er Bericht erstatten. Doch Schluss mit diesen Erläuterungen.
„Wir haben Prokura“
sagt für alle Menschen, was in der Bibel ganz vorne, im ersten Buch Moses, Kapitel 1, 28 geschrieben steht. „Machet euch die Erde untertan und herrschet über sie.“ Von Kaputtmachen war nicht die Rede. „Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist“ (Psalm 24, 1), das muss klar sein. Doch wir haben die hohe Würde der Verantwortung von Gott bekommen. Und dieser Auftrag gilt für alle kleinen Dinge im Alltag, doch auch für die Völker dieser Erde. Die Schöpfung mit ihren Kräften und Schönheiten soll geachtet und bewahrt werden. Der Amerikaner Al Gore bekam dafür gerade den Nobelpreis zugesprochen.
„Wir haben Prokura“
sagt allen Christen, was Jesus in der Bergpredigt, Matthäus 5, 13 - 16 sagt: „Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt.“ Das Salz soll würzen, einen guten Geruch in diese Welt tragen, dafür ist es da. Salz im Sack nutzt nichts. Es wird fade und verliert den Geschmack. Licht will leuchten, dafür ist es da. Stellt man das Licht unter einen Eimer, leuchtet es nicht und verlöscht. Die Menschen sollen durch die Gemeinde Christi schmecken und sehen, dass Gott sie liebt und nicht will, dass sie ein fades Leben fristen und die Karre ihres Lebens vor die Wand fahren, weil sie keine Orientierung mehr haben. Man lese den ganzen Abschnitt und verstehe, was Jesus meint: „So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ Die Menschen sollen Freude über Gott bekommen. Durch uns, wir haben Prokura.
„Wir haben Prokura“ meint die Liebe Gottes, die uns geschenkt wurde durch Christus, der sich ganz für uns gegeben hat. Ganz und gar bis ans Kreuz. Liebe ist zum Weitergeben bestimmt. Wer sie in Flaschen füllt und sie in den Keller stellt, verliert sie. Die Liebe hat einen Griff wie ein Koffer, sie will durch Nächstenliebe, sogar Feindesliebe zu den Menschen getragen werden. Und wir sagen den Menschen weiter, wer Jesus Christus ist. Die Tür zu Gott. Wir haben Prokura dazu.
Johannes Hansen 
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