Der große Zuhörer
Er nahm ihn beiseite, von der Menge weg, legte ihm die Finger in die Ohren und berührte dann die Zunge des Mannes mit Speichel; danach blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu dem Taubstummen: Effata!, das heißt: Öffne dich!
Markus 7, 33-34
Und dann hörte der Glückliche, was die Leute so redeten. Er hörte erstmals die Stimme seiner kleinen Tochter, und er erwachte erstmals mitten in der Nacht, weil sie schrie und schrie. Er hörte Sirenen und Maschinengewehre, er hörte Saitenspiel und Singvögel. Er hörte seine Frau sagen: Ich liebe dich. Er hörte seine Frau sagen: Ich hasse dich. Er ging Jesus nach, hörte ihn predigen und beten, hörte ihn weinen und schreien. Er hörte und hörte.
Er war ein guter Zuhörer. Alles hörte er zum ersten Mal. Und der Ruf seiner aufmerksamen Ohren verbreitete sich rasch. In den Jahrzehnten nach Pfingsten kam es immer wieder vor, dass ihn ein Jünger Jesu besuchte, um ihm das Wort Gottes zu verkünden. Denn trotz ihrer Erfolge gab es nur wenige, die so offen waren wie jener Mann aus dem Gebiet der Dekapolis. Und wenn er nicht gestorben ist: er wäre immer noch eine gesuchte Rarität.
Michael Graff

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