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Licht
im Dunkeln

 

 

Am Samstag vor dem 1. Advent haben wir auf dem Weihnachtsmarkt einen Adventskranz gekauft. Er kostete 15 Euro, das soll preiswert sein. Es gibt auch Exemplare für bis zu 50 Euro. Unser Kranz ist einfach und bescheiden. Er ist aus Tannengrün gebunden, hat die nötigen vier Kerzen und ist hübsch dekoriert. Es hängen auch zwei ganz winzige Pakete dran, die in Goldpapier verpackt sind. Carlotta, die entzückende Jüngste in unserer Familie, drei Jahre jung, begann beim adventlichen Kaffeetrinken gleich mit dem Auspacken dieser kleinen Paketchen. Aber null Freude, es waren nur winzige Klötzchen aus Plastik. Nichts zum Essen, nichts zum Staunen, eine kleine Enttäuschung. So beginnt die Lebenserfahrung, dass oft nicht drinnen ist, was draufsteht.

 

Als dann aber die erste Kerze angezündet wurde, sah man ihr kleines Licht bereits in den Augen aller leuchten. Auch bei Carlotta. Sentimental? Nein, ganz normal, die Kleinen und die Großen machen neue Entdeckungen. Advent hat es mit Suchen und Finden zu tun. „Wenn ihr nicht wie die Kinder werdet“, hat Jesus gesagt, werdet ihr Gott nie entdecken. Nicht kindisch, auch nicht kindlich, sondern neugierig, suchend, fragend und staunend wie die Kinder.

 

Eine erste wichtige Entdeckung, die wir machen können: das Kerzenlicht kommt nicht von innen nach außen, sondern von außen nach innen. Es ist also eine Erfahrung, die uns geschenkt wird. Die Spiegelung in unseren Augen hat eine Quelle, eben das Licht der Kerzen. Wir haben das Licht in unseren Augen nicht gemacht, sondern es leuchtet von außen in uns hinein.

 

So ist es ja auch mit guten Worten, die uns jemand zuspricht. Sie kommen von außen in unseren Verstand und unser Herz. Wenn jemand zu einem anderen Menschen sagt: „Ich liebe dich“, geschieht es, dass die Macht eines kleinen Satzes bei uns einkehrt, der  alles in uns verändern kann. Der große Satz: „Dir ist deine Schuld vergeben“ lässt alle Glocken läuten.

 

Das gilt auch für die gesamte Glaubenswahrheit der Bibel. Sie ist nicht das Ergebnis unseres Nachdenkens oder gar unserer Grübeleien, sondern wirklich eine Botschaft, die uns auf verschiedene Weise durch Botschafter überbracht wird. Es können Menschen sein, doch auch Ereignisse. Achten wir doch in unserem Leben auf das Kommen Gottes. Gerade in diesen Adventwochen ganz neu. Ob wir uns als Christen bekennen oder noch auf der Suche nach Gott sind, es gilt uns beiden. Gott wollte uns schon oft besuchen, aber wir waren nicht da.

 

Das haben die alten Propheten Israels mit starken Worten gesagt, die in den Gottesdiensten der Adventzeit oft gelesen werden. Gehen Sie doch mal wieder zum Gottesdienst in eine Kirche. Es lohnt sich schon deshalb, weil wir nicht die Leere in uns ständig selbst füllen können. Und uns schließlich selbst langweilig finden. Auch im Gottesdienst kommt eine Botschaft von außen in uns hinein, die unser Leben heller macht. Dazu gehören auch die Töne, Worte und Melodien der gemeinsam gesungenen Choräle. Sie klingen in uns weiter. Die Adventzeit ist eine höchst musikalische Zeit. Die Jesus Christus-Gemeinde war immer eine singende Gemeinschaft. In allen Völkern und Sprachen.

 

Der Weg zum Glauben kann auch eine stille Entwicklung sein. Ich kenne junge Leute, Frauen und Männer, die aus großer Distanz immer näher an die befreiende Wahrheit des Evangeliums herankamen und eines Tages selbst staunten, was da mit ihnen geschehen war. Aus Distanzierten waren Christen geworden. Meistens geht es über Kontakte mit Freunden, die uns von ihren Glaubensüberzeugungen und entsprechenden Erfahrungen berichten. Wir werden nachdenklich und schließlich neugierig. Wie die Kinder. Und wir machen die alles verändernde Erfahrung des Glaubens. Es ist so wie bei der Liebe.

 

„Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir.“ (Jesaja 60, 1) So sprach der Prophet Gottes zu Menschen des Gottesvolkes, die den Lebens- und Glaubensmut verloren hatten. Bei ihnen verdunstete der Glaube in einer Wüste der Resignation. Auf uns übertragen kann es heißen: Kommt heraus aus euren Ängsten und Zwängen, brecht auf, wagt es ganz neu mit Gott. Die Dunkelheiten dürfen keine Macht mehr über euch haben. Weil Gottes Licht wie die Sonne über eurem Leben aufgeht. Darum macht euch auf, werdet Lichter für andere.

 

Werdet selbst „helle“ wie der Berliner sagt und helft anderen, dass auch sie „helle“ werden. Offen für den Gott, der sich uns durch Jesus bekannt gemacht hat. „Gott ist da – ganz nah.“

 

 

 

Johannes Hansen




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