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Gott
auf der
Straße
finden?

 

 

Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!

 

Markus 1,3

 

Ich bin der Weg, sagt Jesus. Er sagt nicht: Ich bin die Straße. Mir fallen Autos ein, Abgase, Treibjagd auf langsame Passanten, Mehrspuriges. Vor vielen Jahren erregte ein Künstler fromme Gemüter, weil er einen gekreuzigten Hasen aufs Frankfurter Kreuz montierte. Aber, aber, Jesus ist doch kein Hase, sagen die Hüter der Doktrin. Ist er's, oder ist er's nicht? Hier der Inbegriff des flüchtigen Tiers und einer verfolgten, gejagten Natur, dort Christus als die Mitte des Kosmos. Gott auf unseren Straßen.

 

Vom Straßenbau ist im Advent die Rede. Durch die Wüste solle man dem kommenden Herrn eine Straße bauen, den Weg bereiten. Durch die Wüste, wohlgemerkt, und nicht durch die letzten Grünzonen und Naherholungsgebiete. Und nirgends wird verlangt, dem verheißenen Messias einen vielspurigen Zugang mit Überholspur zu verschaffen. Es geht nur um eine Straße, um Wegbereitung und Verbindung von dort nach hier, von Gott zum Menschen. Das Symbol ist einfacher als unsere Realitäten, Bahnstreik hin, Autobahn her.

 

Gott auf der Straße finden? Mir fällt die Geschichte jenes Indianers ein, der nach eiliger Busfahrt aussteigt, um am Straßenrand zu warten, bis seine Seele nachkommt. Mir fällt das Haltezeichen, das Stoppschild von Joseph Beuys ein, der immer wieder prophetisch-provokativ (und entsprechend belächelt) unseren Betrieb unterbrechen wollte. Straßen sind dazu da, dass wir möglichst schnell von hier nach dort kommen. Gott im Advent 2007: Unterbrechung, Atempause, Stau, Stoppschild, Umleitung, Anhalter am Straßenrand – vielleicht auf dem Esel. Hosianna.

 

 

Michael Graff




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