
Leib Christi
Christus spricht bei seinem Eintritt in die Welt: Schlacht- und Speiseopfer hast du nicht gefordert, doch einen Leib hast du mir geschaffen; an Brand- und Sündopfern hast du kein Gefallen. Da sagte ich: Ja, ich komme - so steht es über mich in der Schriftrolle -, um deinen Willen, Gott, zu tun.
Hebräer 10, 5-7
Warschau am Heiligabend. Ewa bittet ihren Ex-Geliebten Janusz, er solle ihr bei der Suche nach ihrem verschwundenen Mann Edward helfen. Janusz lässt sich darauf ein, doch nachdem sie die ganze Nacht über unterwegs waren, von der Unfallstation über die Ausnüchterungszelle bis zum Bahnhof, gesteht ihm Ewa, dass sie eigentlich nur diese Nacht mit Janusz verbringen wollte. Der polnische Regisseur Kieslowski erzählt diese traurige Weihnachtsgeschichte in seinem zehnteiligen Werk »Dekalog«. Eine Geschichte zum Gebot der Sonntagsheiligung.
Stille Nacht, heilige Nacht. Was werden wir einander schenken? Wer wird einem Menschen das Wichtigste geben, was es in einem Menschenleben gibt: Liebe? Und zwar nicht nur Liebe auf der Spruchkarte, sondern fleischgewordene, menschliche Liebe? Die Liebe, die so viele Gesichter hat, wie wir Menschen Bedürfnisse haben? Die Liebe, die sich nicht geniert, einer alten Patientin die Bettschüssel unterzuschieben und ihr die verfilzten Haare zu kämmen? Wo ist der Advent der Liebe, die den Leib anbietet? (Der Leib besteht nicht nur aus dem Unterleib, meine Herren Leibverächter!) Der Leib aber ist es, der in diesem einen irdischen Leben blüht, reift und welkt. Christus weiß, worauf er sich da einlässt. Wissen wir's auch - oder warum ist es so kalt geworden in der Welt?
Michael Graff

|
© Nachdruck und Veröffentlichung nicht gestattet. Nur zum persönlichen Gebrauch. gott.net e. V., Am Denkmal 2, 48249 Dülmen Tel.: 02590-915 810
E-Mail: info@gott.net, Internet: www.gott.net Spendenkonto: Nr. 88080 bei der KD-Bank Dortmund (BLZ 350 601 90). |