A Little Bit Of…
Ich bin wohl zwölf Jahre jung gewesen, als ich erstmals geimpft wurde. Der Arzt kam mit einer Schwester in die Schule und nahm sozusagen eine Massenimpfung vor. Natürlich wurde jeder und jede einzeln gepiekt. Wir hatten mächtig Respekt vor der Spritze. Also Ärmel hoch oder Pullover runter, ein Stich und es war vorbei. Seither bin ich gegen Pocken geimpft. Später kamen vor Reisen nach Afrika und Asien noch eine Reihe weiterer Impfungen dazu.
Die Pockenimpfung tut ein winziges bisschen Pockengift ins Blut und man ist immun gegen die Pockenkrankheit. In Europa ist diese ursprünglich schreckliche Seuche, die früher viele Menschen hinraffte, wohl fast ganz ausgerottet.
Ich behaupte frech und frei, dass es eine Impfung gegen den Glauben gibt. In diesem Falle ist es keine Maßnahme gegen eine Seuche, sondern umgekehrt gegen eine unverzichtbar wichtige Gesundheit. Eine Impfung gegen Gesundheit? Wie denn das?
Ein kleines bisschen von der Substanz „christlich“ ins Herz und den Verstand injiziert und der Klient ist gegen den Glauben geimpft. Ein ganz kleines bisschen Gott und Jesus und Bibel und Kirche in den Kreislauf des Inneren injiziert und wir sind immun gegen einen Glauben, der sich zu Leben lohnt. Nun läuft die „Wahrheit des Evangeliums“, wie der Theologe Paulus sie nennt, von uns ab wie der Regen vom Ölcape. „Wasch mich, aber mach mich nicht nass.“ So heißt diese Methode der Immunisierung gegen die Begegnung mit Gott. Manches lässt sich auch einmal handfest und etwas grob erklären. „Was nicht blau ist, das ist bläulich, was nicht grau ist, das ist gräulich und was nicht Christ ist, das ist christlich?“
„A little bit of“, ein kleines bisschen von dem und jenem, ein paar fromme Gewürze und noch ein Spritzer Salatöl dazu, mit Rotwein abgelöscht, das ist das passende Gericht für den gebildeten Europäer. Es kann auch ein wenig Bergpredigt wie die Petersilie dabei sein. Das schmeckt fein. Und wer verachtet denn heute noch den Mann am Kreuz? Man hängt sich das Marterholz der Römer als Schmuckstück an den zarten Hals. So regeln wir alle religiösen Fragen.
Muss es denn so weiter gehen? Nein und noch einmal Nein, es muss so nicht weitergehen. „Christ sein ohne Entscheidung“ (H.O Wölber), so heißt der Titel auf einem Buch neben mir im Regal, lohnt sich nicht. Der Glaube an Gott, an Jesus Christus und den heiligen Geist, so haben die frühen Väter der Kirche die Summe des Glaubens genannt, dieser heilige christliche Glaube macht froh, wenn wir unsere ganze Existenz Gott und Christus überlassen. Doch dann merken wir auch, welche Freude und Kraft im Glauben an den lebendigen Gott steckt. Und wie? Der Weg zu Gott ist nur ein Gebet weit.
Johannes Hansen 
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