Atheisten. Christen. Heiden.
Atheisten
Gregor Gysi, der Abgeordnete der Partei „Die Linke“ im Bundestag, ist ein klar denkender Kopf. Vor einigen Wochen nahm er an einem sehr interessanten Talk in der Sendung Maybrit Illner im ZDF teil, bei dem auch Hape Kerkeling, Ute Ranke-Heinemann und der Bestsellerautor Bernhard Bueb mitwirkten. „Ich bin dann mal gläubig – die neue Sehnsucht nach Spiritualität“ hieß das von Maybrit Illner munter und auch persönlich engagiert geführte Gespräch. Dabei sagte Gregor Gysi einen Satz, der mich faszinierte: „Ich bin kein Christ, doch auch kein Atheist, ich bin ein Heide, Gott hat mich noch nicht gefunden.“
Hier können nur ein paar Blitzlichter folgen, doch versuchen wir es. Der Begriff Atheist kommt vom griechischen „atheos“, „ohne Gott“. Im Neuen Testament findet sich der Satz: „ohne Gott in der Welt.“ Das also ist der Kern. Atheisten anerkennen keinen Gott, keine unsichtbare und doch handelnde Autorität. Sie denken sich ihr Leben bewusst „ohne Gott in der Welt“ (Epheser 2, 12). Albert Camus, der redliche französische Atheist, sagte: „Man täusche sich nicht, Atheismus ist ein schwieriges Metier.“ Camus konnte noch an seinem Atheismus leiden.
Zurzeit wird vom „neuen Atheismus“ geredet, der sein Thema oft sehr locker vom Hocker behandelt. Man spürt den neuen Atheisten, wie etwa dem englischen Evolutionsbiologen Richard Dawkins, kaum eine tiefere Betroffenheit an. Im Grunde ist es der alte Atheismus, nur versehen mit den wissenschaftlichen Begriffen und Denkweisen der Gegenwart. Und ohne wirkliche Kenntnis der christlichen Theologie, die sich unendlich gemüht hat, den Zusammenhang von Schöpfung und Glaube zu klären.
Schade, dass Atheisten sich dem wirklich radikalen existentiellen Denken oft verschließen. Es gibt so viele feine Menschen, die sich Atheisten nennen, oft aber kaum wissen, was sie damit sagen. Christen dürfen sich nicht über Atheisten erheben. Es sind ihre Zeitgenossen. Auch zu ihnen schickt sie Christus mit Liebe und der befreienden Nachricht von Gottes radikaler Zuwendung. Ich freue mich über Gespräche mit Atheisten.
Christen
„Christen“ heißen im griechischen Text des Neuen Testamentes „christianoi“. Es sind Menschen, deren Leben ganz und gar mit Christus, dem Sohne Gottes verbunden ist. Sie haben die Freudenbotschaft gehört und gelesen und sind dem Ruf in die Nachfolge von Christus gefolgt. Sie haben verstanden, dass Jesus Christus für sie wie für alle Menschen am Kreuz gestorben ist und er sie dadurch wieder „mit Gott in Ordnung gebracht“ hat. Gott selbst hat so die Welt mit sich versöhnt, die Initiative geht ganz von ihm aus. Wer dem vertraut, erfährt große Freude. Auf dieser Basis gestalten Christen persönlich und gemeinsam ihr Leben mitten in der Gesellschaft, in der sie jeweils leben. Die Einladung zum Glauben an das Evangelium darf nicht verstummen, sie reicht bis hinein in diese Minute.
Heiden
Die ganze Bibel ist voller guter Nachrichten für die Heiden. Sie sind die Glieder der Völker, die andere Götter anbeten und von Gott gesucht werden, bis er sie findet. Für Gregor Gysi gibt es riesige Chancen, dass Gott ihn findet und er Gott findet. Wer das Buch des Propheten Jesaja liest, findet viele Sätze, die vom Kommen der Heiden sprechen. Aus allen Völkern werden sie zu Gott kommen. Paulus ist der Heidenmissionar pur. Er hat das Evangelium für die Heiden geschrieben und gepredigt. So entstanden in den Städten Griechenlands und in Rom Gemeinden, in denen sich Heiden versammelten, die Gott gefunden hatte und die ihrerseits Gott fanden, als sie Jesus Christus als den Heiland (Retter) der Welt entdeckten. Christen in Europa und Amerika und überall außerhalb von Israel sind Heidenchristen bis heute. Sie sind befreit davon, etwas zu leisten, um wieder mit Gott in Ordnung zu kommen. Das hat Gott im Voraus und total gratis, also umsonst für sie getan. Christus hat keine neue Religion gebracht, sondern die Kirche Christi auf Erden.
So können sich Atheisten, Christen und Heiden treffen, einander mit Respekt begegnen und in einen Dialog eintreten, in dem einer dem andern erzählt, wie er sein Leben versteht. Mit Gott, der eine oder ohne Gott, der andere.
Jesus befreit uns von Feindschaft, Hass und Ausgrenzung. Jeder Nichtchrist ist für mich ein Noch-nicht-Christ, also ein Freund, der die befreiende Erfahrung des Glaubens noch vor sich hat. Ich möchte ihm helfen, dass er zum Glauben kommt. Wie zu einer Person. Wie in einen weit offenen Raum. Zu Christus und in seine Gemeinde auf dieser Erde.
Johannes Hansen 
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