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Verzeihen tut gut

 


„Ist doch alles wieder gut...“ Das ist einer jener Sätze unserer Sprache, die alles überraschend verändern können. Worte haben Macht. „Ich liebe dich.“ Das Geständnis einer Liebe hat diese Macht. Wenige Worte und das Schiff des Lebens kommt auf einen neuen Kurs. So auch, wenn einer dem andern verzeiht. „Bitte, verzeihe mir.“ – „Ich verzeihe dir.“ Du musst nun keine Angst mehr haben, ist doch alles wieder gut. Im Unterschied zu anderen guten Worten haben diese jedoch eine Tiefendimension von ganz besonderer Qualität. Es sind befreiende, erlösende Worte, die irdisch und zugleich himmlisch sind.

 

Wie haben wir uns doch als Kinder nach dem lösenden Wort der Mutter oder des Vaters gesehnt. Furchtbar, wenn die Mutter schwieg, einfach nichts mehr sagte, uns für eine Stunde scheinbar ihre Liebe entzog. Ein Klaps wäre uns lieber gewesen, wirklich, doch diese Stille, sie war unerträglich. Und dann endlich der verzeihende Satz. Oft verbunden mit einer zarten Geste, Mutters Hand über den Haarschopf, Vaters leiser Stoß in die Rippen des Jungen. Eine stille Umarmung, ein Kuss auf die Wange, so können wir Erwachsenen es tun. Selbst der oft denunzierte Blumenstrauß für die Frau sollte erhalten bleiben.

 

Das ist nicht nur in der Kindheit so, im ganzen Leben bis zur letzten Stunde haben wir es nötig, dass wir einander verzeihen. Nicht nur wir durch andere, sondern auch andere durch uns. Vergebung gelingt nur, wo vergeben wird. Im Urgebet der Christen heißt es: "Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern." Bei Gott beginnt das Verzeihen, so kann es zum Heilungsprozess kommen. Heilung vom Versagen gegenüber den liebsten Menschen. Die Frau verzeiht ihrem Mann, der Mann seiner Frau, die Kinder ihren Eltern, die Eltern ihren Kindern. In alten Zeiten baten die Kinder die Eltern um Verzeihung, umgekehrt war es kaum denkbar. Das christlich–preußische Vaterbild ließ es nicht zu. Heute kann man es erleben, dass Eltern ihre Kinder und Kindeskinder darum bitten. Ein bedeutender Schritt nach vorn in der Entwicklung menschlicher Gemeinschaft. „Bitte, verzeiht uns.“ Das sind Inszenierungen des Geistes Gottes mitten unter uns. Neue Schritte der Versöhnung unter Menschen. Das Jesusevangelium macht es möglich.

 

 

 

Johannes Hansen




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