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Detektivbüro

Argus

 

 

 

Das soll es geben, nicht nur im Kino. Der Ehemann bezahlt einen Detektiv, der die Ehefrau überwacht. Er traut ihr nicht. Geht sie etwa fremd? Sie ist so oft unterwegs und besucht angeblich irgendwelche Leute. Der Detektiv folgt der Dame unauffällig auf ihrem Weg. Sie geht rasch in die Wohnung Goethestraße 17, zweiter Stock rechts. Dort geht das große Licht an und nach einer Weile aus. Es bleibt nur noch ein wenig Licht im Hintergrund. Vermutlich die Nachttischlampe. Was denn wohl sonst? Der Mann vom Detektivbüro Argus hat alles mit seiner schnell arbeitenden Kamera festgehalten. Bald entfernt er sich, der nächste Fall wartet.

 

Nach einer Weile geht unten die Tür auf. Die Dame führt einen sehr alten Mann am Arm sorgfältig die Treppe hinunter, geht mit ihm über die Straße in den kleinen Park gegenüber. Sie führt ihn offensichtlich „an die Luft“ und macht mit dem gebrechlichen Herrn einen ruhigen Spaziergang. Die engagierte Frau gehört dem Verein „Senioren-Hilfe“ an, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, einsame alte und kranke Menschen zu besuchen und ihnen auf verschiedene Art zu helfen.

 

Das ist die grobe Art, doch diese „Detektei Argus“ gibt es überall. In Büros und Nachbarschaften, in Schulen und auf der Straße. Sogar in der Kirche und frommen Gruppen gibt es diese Privatdetektive. Sie arbeiten nicht mit der Kamera, sondern mit stechend scharfen Augen und stets auf Empfang gestellten Ohren. Oft sind sie alt, doch immer noch hellwach.

 

Weißt du schon, der Chefarzt soll etwas mit der Schwester Inge haben. Unser Bürgermeister ist ein ganz scharfer Hund. Herr Maier, der mit einem Fernrohr abends die Sterne beobachtet, hat gesehen, dass die Sekretärin nach Dienstschluss ganz lässig auf der Schreibtischkante des Bürgermeisters saß. Die Schulzes haben sich schon wieder Möbel gekauft. Ob der Schulze nicht doch so nebenbei seine Geschäfte mit Baumaterial macht. Er kennt doch die Adressen aus dem Betrieb. So schleicht die tödliche Gerüchteschlange durch Schulen, Büros, Nachbarschaften, auch durch „christliche Kreise“. Liebe, Vertrauen, Achtung, Wahrhaftigkeit gehen vor die Hunde. Das Misstrauen zerstört auch gute Beziehungen.

 

Mir hilft, was Jesus in der Bergpredigt zu diesem Thema sagte: „Warum kümmerst du dich um den Splitter im Auge deines Bruders und bemerkst nicht den Balken in deinem eigenen? …. Du Scheinheiliger, zieh erst den Balken aus deinem eigenen Auge, dann kannst du dich um den Splitter im Auge deines Bruders kümmern.“ (Matthäus 7, 1-5) Ein groteskes Bild, doch wir sollen begreifen, was jetzt dran ist. Alles spionieren ist schon vorweg nicht okay, doch wenn einer dann noch den Balken im eigenen Auge, oder das Brett vor dem Kopf bei sich selbst nicht erkennt, wird es richtig gemein.

 

Von dem früheren Bundespräsidenten Gustav Heinemann (1969–1976) stammt das Bild, das er selbst bei einer Rede vorgeführt hat: Wer mit dem Zeigefinger auf jemand zeigt, sollte nicht übersehen, dass mindestens drei Finger auf ihn selbst zeigen.

 

Jesus fährt allen Moral-Detektiven und Privatrichtern in die Parade: „Verurteilt nicht andere, damit Gott euch nicht verurteilt.“

 

 

 

Johannes Hansen




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