Sünde(r)
in
Deutschland.
Alle Medien sind voll von Nachrichten über Sünder. Nach der Sonntagsruhe wird eine Welle von „Zugriffen“ der Steuerfahnder durchs Land gehen. In Spiegel-Online wird der Titel der nächsten Woche bereits angekündigt: „Staatsfeind Steuersünder.“ „Steuerfahnder haben 700 Reiche im Visier“ hieß die Schlagzeile der „Süddeutschen Zeitung“ vom Samstag/Sonntag. Dagegen ist die „Verkehrssünderkartei“ in Flensburg eher ein stilles Erholungsheim. Das wird noch spannend.
Aber nun muss doch wohl geklärt werden, was „Sünde“ ist und wer ein „Sünder“ ist. Bekanntlich und meist als ärgerlich empfunden, stammt der Begriff aus der Bibel. Es mag überraschen, doch in der Bibel des Alten und Neuen Testamentes ist Sünde kein moralischer Begriff. Es ist ein Beziehungsbegriff. Es geht um die existentielle Trennung des Menschen von Gott. Die muss nicht geplant ablaufen wie bei der Verschiebung von Millionen auf geheime Konten in Liechtenstein. Sie geschieht in einer auch ganz still von Gott abgewandten Grundorientierung des Menschen. Gott ist etwas für den Trost am Grabe, aber doch nicht für Lebenspläne und Börsengeschäfte. „Zielverfehlung“ wird die Sünde genannt. Das Leben fliegt wie eine Lanze an seinem Ziel vorbei. Das Leben geht daneben. Der Begriff hat es sprachlich auch mit „absondern“ zu tun. Wie ein Sund zwischen zwei Meeresufern die anliegenden Länder trennt. „Entfremdung“ betont ein Theologe, „Lebenslüge“ ein anderer. So leben wir wie der „verlorene Sohn“ vom Vater getrennt in der Fremde und unser ganzes Leben wird zu einer Lüge. Es hilft zu unterscheiden zwischen der Sünde und den Sünden. Die Sünde ist die Entfremdung vom Geheimnis unseres Lebens, also von Gott und die Sünden sind die Folgen auf allen Lebensgebieten. Wie Ursache und Wirkung also.
Sorry, ein unschönes Bild. Da hat jemand Beulen an den Beinen, die nicht nur unschön sind, sondern ekelhaft eitern. Die Ursache aber ist keine Hauterkrankung, sondern das ungesunde Blut, das er in sich trägt. Die Sünde ist die Ursache, die Sünden sind die Wirkungen.
„Alle sind Sünder und haben nichts aufzuweisen, was Gott gefallen könnte.“ Diese These stellt Paulus in seinem gewaltigen Brief an die römischen Gemeinden auf. Der Glanz ist weg, mit moralischer Reparatur in Eigenarbeit ist nichts mehr zu machen. Wir haben den Wagen voll vor die Wand gefahren. Totalschaden.
Doch die nächste These kündet von Rettung: „Aber was sich keiner verdienen kann, schenkt Gott in seiner Güte: Er nimmt uns an, weil Jesus Christus uns erlöst hat.“ (Römer 3, 23 – 24*) Gott hat für uns gehandelt. Jesus, der Christus Gottes hat sich mit uns identifiziert und am Kreuz radikal solidarisiert. Sich diesem Gott ganz ehrlich anvertrauen, ihm also glauben, was er für mich und dich getan hat, das ist Befreiung, das ist Erlösung.
Die Steuerhinterziehungen sind eine Katastrophe für das ganze Land, weil noch mehr Vertrauen in der Gesellschaft zerstört wird. Doch es gibt nicht nur Steuerhinterzieher, es gibt auch mich und dich. Wir alle brauchen Vergebung und wir bekommen sie im Vertrauen auf den wunderbaren Gott, der sich uns durch Jesus bekannt gemacht hat.
Johannes Hansen
* Bibelübersetzung: Hoffnung für Alle 
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