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Im
Haltegriff
des Kreuzes

 

 

Ich liebe kleine Storys, die oft mehr sagen als lange Aufsätze oder ein kluges Buch. Eine dieser Geschichten hat sich bei mir im Kopf und Herzen festgesetzt, ich erzähle sie Ihnen gerne: Irgendwo im Hochgebirge gibt es einen sehr schwierigen Wanderweg, eher schon etwas für erfahrene Leute, schwindelfrei sollten sie ohnehin sein. Hier braucht man feste Schuhe, Birkenstocklatschen oder hübsche Straßenschuhe sind nicht geeignet.

 

Auf diesem Wanderwerg kommt eine bestimmte Strecke, die hart am steilen Felsen entlang geht, unten gähnt die Tiefe. Man hat feste Haken in die Wand geschlagen, an denen entlang man sich gut bewegen kann. Doch dann kommt eine spitze Ecke, um die man nur mit starkem Mut herumkommen kann. Aber dort hat ein offenbar frommer Bergsteiger einen Festhaltehaken in der Form des Kruzifixes, also des Christus-Kreuzes, an dem Jesus starb, ganz tief in die Wand gesetzt. Jeder Mann, jede Frau, die diesen Weg gehen, müssen sich am Kreuz festhalten, anders würden sie abstürzen. Das wird mancher nicht vergessen.

 

Das ist eine starke Symbolik in der Fastenzeit vor dem Beginn der unmittelbaren Passionszeit mit dem Karfreitag. Durch den Gekreuzigten hat sich Gott als unser ewiger Lebensretter gezeigt. Für jeden Menschen zu allen Zeiten auf der ganzen Welt. Ob einer noch jung ist, oder mitten im Leben steht, oder auch älter und alt geworden ist, jeder braucht diesen Haltegriff des Kreuzes. Nicht nur in schwierigen Zeiten und in der Not des Versagens, wenn die Schuld uns plagt, sondern rund um die Uhr stets und ständig. Manche haben schon in ihren Testamenten festgelegt, dass ihnen ein Kreuz in die kalten Hände gelegt wird, wenn man sie zu Grabe trägt. Aber dieser Blick auf den Gekreuzigten, bei dem wir uns gesund sehen können, soll schon mitten im Leben geschehen. Nur gut, dass Christus uns fest hält. Darum können wir uns an ihm festhalten. Das weiß der Glaube. Und freut sich sehr.     

 

 

 

Johannes Hansen

 




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