Voller Gedanken Gott lieben
Jesus antwortete: Das erste ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinem Denken und all deiner Kraft.
Markus 12, 29-30
Theologie macht den Glauben kaputt, schrieben die Abiturienten auf Plakate. Ich erschrecke. Wir sind zusammengekommen, um über Sinn und Unsinn eines theologischen Studiums nachzudenken. Ist das alles nur ein halb gelesener Drewermann? Oder ist das unser Ruck nach rechts? Oder eine Neuauflage der Parole »Kopf ab zum Gebet«?
Gott lieben »mit aller Vernunft« (Jens-Übersetzung), das muss nicht partout das Theologiestudium sein, aber es ist ein Glaube gemäß unserer Menschenwürde. Man kann sich das einmal erworbene kritische Denken nicht mehr abschminken. Und Jesus erweist sich einmal mehr als Mann mit Scharfsinn, Witz und Verstand, der sich nicht scheut, im intellektuellen Handgemenge mit seinen Gegnern deutlich zu werden. Wenn er in die Wüste geht, dann ist das eine andere Stunde und keine Ausrede.
Gott lieben mit meinem ganzen Denken? Mein Suchen und Irren gehören zum Weg. Wenn andere es anders tun, will ich nicht spotten, aber ich muss sie auch nicht beneiden. Unser Finderlohn steht dahin. Aber das Glück aller Liebe beruht auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit. Alles ist Gnade.
Michael Graff 
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